Interview mit der Sängerin Christina Clark

Christina Clark ist Opernsängerin am Aalto-Theater. Sie singt nicht nur in Opern, sondern singt und spielt (unter anderem) auch bei „Hexe Kleinlaut“-Produktionen, der „Teatime“ oder der Musical-Revue „Yesterdate“ mit.

Wie und warum sind Sie an die Oper gekommen?

Ich habe in Amerika Gesang studiert und wollte Opernsängerin werden. Und dann bin ich guten Weges nach Deutschland gekommen und habe dann hier vorgesungen, weil hier eine Stelle frei war. Die Frau, die hier gearbeitet hat war schwanger, daher war ich am Anfang eine Schwangerschaftsvertretung. Und dann bin ich hier geblieben.

Wann haben Sie angefangen im Aalto-Theater zu arbeiten?

Vor über 20 Jahren habe ich hier angefangen.

Wollten Sie schon immer Sängerin werden oder wollten Sie auch mal was anderes werden?

Als ich klein war wollte ich, dass mich meine Eltern nach Hollywood fahren und wollte ein Movie Star werden. Tja, das haben sie nicht gemacht. Ich war sehr enttäuscht (Hahahahaha). Singen wollte ich aber schon lange! Dass ich Opern singen wollte – dieser Wunsch kam erst durch meine erste richtige Gesangslehrerin auf. Da war ich dann schon 16 oder 17 Jahre alt.

Was hat Sie dazu gebracht bzw. inspiriert Opernsängerin zu werden?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass das meine erste Gesangslehrerin war, die mich in diese Richtung gelenkt hat, weil sie selbst Opernsängerin war. Wenn ich jemand anderes gehabt hätte, dann wäre ich womöglich in eine andere Richtung gegangen. Vor meinem 18. Lebensjahr hatte ich tatsächlich noch keine Oper gesehen. 

Gibt es Bereiche in denen Ihr Beruf Sie einschränkt?

Ja, denn meine Arbeitszeiten sind ziemlich speziell. Wir arbeiten immer vormittags von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr und dann abends von 18:00 Uhr bis maximal 22:00 Uhr und das ist nicht besonders familienfreundlich.

Was waren bis jetzt Ihre Lieblingspartien, die Sie auf der Bühne gesungen haben?

Das ist eine sehr schwierige Frage… Ich weiß nicht, ob ich es nur auf eine Rolle reduzieren könnte. Ich habe meistens das Glück, dass das, was ich in dem Moment mache, zeitgleich in dem Moment auch meistens mein Lieblingsstück ist. Aber auf eine Rolle, auf die ich sehr gerne zurückblicke, ist die Partie der Susanna aus „Le Nozze di Figaro“ (Die Hochzeit des Figaro). Das ist eine unglaublich tolle Rolle für mein Stimmfach, weil die Figur eine Wandlung durchmacht. Sie ist sehr vielseitig: Sie ist echt, klug, lustig. Sowas mag ich total gerne.

Fällt es Ihnen schwer, Opern auf anderen Sprachen zu singen?

Die meisten Opern sind in italienischer, englischer, deutscher oder französischer Sprache. Wenn es aber eine Sprache ist, zu der ich keinen Bezug habe, dann fällt mir das schon ein bisschen schwer. Wenn wir zum Beispiel ein Stück auf in tschechischer Sprache machen – was auch schon öfters vorgekommen ist – fällt mir das schon schwer, weil ich zu dieser Sprache keinen Bezug habe.

Sie haben ja schon oft auf Bühnen gestanden. Sind Sie vor Vorstellungen trotzdem noch nervös?

Ich bin tatsächlich viel weniger nervös als am Anfang, aber es gibt Rollen, vor denen ich nervös bin oder großen Respekt habe. Und meistens habe ich so eine positive Aufregung, die immer da ist – Die braucht man ja auch.

Was macht Ihnen in Ihrem Job am meisten Spaß?

Ich liebe Musik und ich liebe auf jeden Fall diese Kombi aus Musik und Spiel. Und auch dieses ganze Drumherum: Kostüm, Maske, Licht… Ich finde das alles total spannend. Das wird auch nach all den Jahren nicht langweilig.

Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit?

Ab und zu höre ich klassische Musik – inklusive Opern – aber nicht so oft. Ansonsten höre ich wahnsinnig gerne Jazz oder R&B.

Und was würden Sie den Leser*innen gegen Lampenfieber empfehlen?

Das beste Mittel ist gute Vorbereitung. Das ist das A und O. Wenn du gut vorbereitet bist, dann kannst du trotzdem Lampenfieber haben, es sollte aber nichts schief gehen.

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Autor:

Ciara hat ein dreiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater. Außerdem ist sie Teilnehmerin des Szenen-Workshops im Rahmen des Schulprojekts AkzepTANZ.

Interview mit der Kostümassistentin Amelie Albrecht

Amelie Albrecht ist seit circa sechs Jahren als Kostümassistentin am Aalto-Theater tätig. Zu ihren bisher betreuten Produktionen gehören unter anderem „Norma“, „Lohengrin“ und „Il Trittico“. Ihr Büro befindet sich auf der fünften Etage des Aalto-Theaters in der Kostümabteilung.

Was sind deine Aufgaben als Kostümassistentin am Aalto-Theater?

Ich sag immer so „Ich bin das kreative Mädchen für alles“. Als Kostümassistentin übernehme ich (im Wechsel mit meiner Kollegin) eine Opern- oder Ballettproduktion mit einer Produktionsleitung aus unserer Abteilung. Die Produktionsleitung bestellt dann zum Beispiel Stoffe oder spricht Termine mit den jeweiligen Kostümbildnern ab. Wir Kostümassistentinnen gucken dann schonmal, ob zum Beispiel Stoffe eingefärbt werden müssen, was bearbeitet oder eingekauft werden muss. Hauptsächlich sind meine Aufgaben im kreativen Bereich. Ich arbeite aber natürlich auch manchmal am Computer. Wir bereiten sozusagen das ganze Stück vor und geben es dann in der Hauptprobenwoche an die Ankleider*innen ab und erklären denen, wer was und wann anzieht usw.

Ist das ein Beruf, den du dir als junges Mädchen für dich schon vorgestellt hast?

Ne, eigentlich nicht. Ich wusste gar nicht, dass es den Beruf gibt. Ich wollte immer schon was Kreatives machen aber ich wusste nicht, dass es solche Jobs im Theater gibt. Ich habe erstmal mein Abitur gemacht und bin dann zur privaten Modeschule nach Düsseldorf gegangen. Dort habe ich drei Jahre lang eine Ausbildung zur Modedesignerin gemacht. Dann habe ich allerdings irgendwann gemerkt, dass der kreative Prozess, den ich in der Modeschule gelernt habe, bei den meisten Klamottenlabels nur am Computer stattfindet. Eine Freundin hat mir vorgeschlagen, dass ein Job in einer Kostümabteilung am Theater eine Überlegung wert sei und dann hab ich mir gedacht, dass das eigentlich eine gute Idee wäre… In einem Onlineportal habe ich eine Ausschreibung für ein Jahrespraktikum am Aalto-Theater gefunden und habe mich darauf beworben – und wurde genommen. Das hat mir dann hier richtig Spaß gemacht, weil man auch viel mit anderen Bereichen aus dem Theater zusammen- und intensiv kreativ arbeitet. Nach dem Praktikum hab ich erstmal viele unterschiedliche Jobs gemacht und konnte mir auch viele Bereiche angucken. Allerdings habe mich immer so von Monat zu Monat gehangelt – und dann hat mich irgendwann die damalige stellvertretende Kostümdirektorin angerufen und mich gefragt, ob ich hier als Schwangerschaftsvertretung einsteigen würde. Das hab ich gemacht und im Anschluss eine feste Stelle bekommen. Ich bin auf jeden Fall ziemlich happy, dass ich das gemacht habe und hier an dem Haus bleiben konnte und so nette Kollegen habe!

Du hast ja schon bei einigen Stücken als Kostümassistentin mitgearbeitet. Wie lange braucht man ungefähr, damit die Kostüme für eine Produktion fertig sind?

Wir rechnen immer mit ungefähr einem Jahr . Wir fangen ein Jahr vor einer Premiere schon mit den Planungen an und stellen Kontakt zu den Kostümbildner*innen her. Anfangs gibt es dann eine Kostümabgabe, bei der die Kostümbildner*innen erklären, was für Kostüme die jeweiligen Figuren tragen sollen. So können schonmal Stoffe oder andere Dinge, die man benötigt, bestellt werden. Daraufhin werden die Kostümteile, die fertig besprochen sind, in der Schneiderei angefertigt, oder es werden noch Teile aus dem Fundus rausgesucht, die man für die Produktion gebrauchen kann. Wenn ein Kostüm „fertig“ ist, gibt es dann so drei bis vier Anproben für die jeweiligen Künstler*innen – bis das Kostüm perfekt sitzt. Die Proben starten für gewöhnlich sechs Wochen vor der Premiere. Bis zur KHP (Klavierhauptprobe) sollten alle Kostüme fertig sein. Diese findet meist eine knappe Woche vor der Premiere statt.

Und wo werden all die Kostüme gelagert?

Es gibt Fundus im Aalto- und Grillo-Theater, in denen die Kostüme hängen, die zur „freien“ Verfügung stehen. Kostümteile, die in festen Stücken sind, sind auf fertig gepackten Ständern gelagert und stehen im Abendfundus oder in Rollschränken, die auf mehreren Etagen zu finden sind. Wenn ein Stück zum Beispiel für eine längere Zeit nicht gespielt wird aber noch nicht abgespielt ist, dann sind die Kostüme für dieses Stück bei uns im Keller eingelagert. Dafür stehen vier weitere Räume zur Verfügung.

Welche unterschiedlichen Berufe gibt es in der Kostümabteilung?

Es gibt zwei Kostümassistentinnen, dann gibt es die Produktionsleitungen und die Direktion der Kostümabteilung. Für eine Produktion gibt es immer ein Team aus einem*r Produktionsleiter*in und einer Kostümassistentin, die den Kostümbereich für das Stück leiten und betreuen. Es gibt natürlich die Ankleider*innen, die abends die Vorstellungen betreuen und den Darsteller*innen mit den Kostümen helfen und Kostüme wieder aufarbeiten (waschen, bügeln etc.). Außerdem gibt es noch die Schneider*innen in der Damen- und der Herrenschneiderei, die Gewandmeister*innen, die noch eine spezialisierte Weiterbildung haben, und es gibt noch einen Schuhmacher.

Was passiert mit den Kostümen, die nicht mehr benötigt werden?

Wenn ein Stück abgespielt ist, bekommen wir eine Nachricht vom Intendanten und dann kommen die Kostüme einfach in den Fundus, wo sie für andere Stücke wiederverwertet werden. Wenn der Fundus aus allen Nähten platzt, wird auch schonmal aussortiert.

Muss wirklich jedes Kostüm an jede*n Sänger*in oder Tänzer*in angepasst werden oder werden manche auch einheitlich produziert? 

Jeder, der auf der Bühne steht, kommt zu Anprobe. Manchmal sogar Tiere! Jede*r bekommt ein persönlich auf sie*ihn angepasstes Kostüm. Die Solist*innen und der Chor kommen zu uns, manchmal auch der Extrachor, die Statist*innen, der Kinderchor und mitunter gibt es auch noch externe Musiker*innen, Solist*innen oder Schauspieler*innen. Wir probieren tatsächlich jeden an. Wenn beispielsweise 300 Leute auf der Bühne stehen haben wir circa 300 bis 500 Anproben. Meistens fangen wir dann mit den Chorsänger*innen an, weil es sehr viele sind. Und dann kommen die Solist*innen, weil man bei denen oft auf noch mehr Details achten muss.

Als letzte Frage kommt jetzt noch eine Schätzfrage. Wie viel Kostüme habt ihr ungefähr?

Das ist eine gute Frage – Kann ich gar nicht sagen… Aber es sind auf jeden Fall unglaublich viele, bestimmt über 10.000!

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Autor:

Adreana hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.