AaltoMobil: von den Proben bis zur Aufführung

„Wien. Wolfgang Amadeus Mozart starb am 5. Dezember[…]“. Das war der Satz, welcher mit einer tiefen Stimme in meinem Kopf hängen geblieben ist. Dieser Satz stammt aus einer AaltoMobil Produktion, welche „ Mozarts phonetischer Fingerabdruck“ heißt.

Schon zu Anfang meiner Praktikumszeit wurde ich in die Proben von AaltoMobil miteinbezogen. Es war der erste Tag und ich durfte bei den Proben zuschauen. Ich hatte kleine Aufgaben, die ich machen durfte wie zum Beispiel aufschreiben, was man verbessern könnte an diesem Stück sowie das Einrichten der Requisiten. Das Stück hatte eine nicht so ganz große Besetzung (So sah es zumindest aus), aber dennoch war es sehr unterhaltsam. Es gab drei Sänger*innen und ein Streichquartett, welche alle sehr nett rüberkamen. Das Stück an sich hatte etwas Witziges und Dramatisches.

Am nächsten Tag waren nur die Darsteller*innen da, die szenisch proben mussten. Da hat man gemerkt, was für einen großen Unterschied es macht, wenn die Musik da ist und wenn sie fehlt. Ohne die Streicher war die Probe irgendwie leer, als wenn etwas fehlen würde.

Spannender wurde es meiner Meinung nach bei der Generalprobe, welche am Donnerstag, 9. Juni 2022 stattgefunden hat, denn sowohl die Streicher*innen als auch die Sänger*innen waren sehr aktiv dabei. Die Musiker*innen haben das Stück und die Musik gefühlt, während die Darsteller*innen voll und ganz in ihre Rollen geschlüpft sind. Die Schauspieler*innen waren so sehr in ihre Rolle, dass manchmal etwas gemacht wurde, was so nicht eigentlich geplant war. Mit anderen Worten: Sie haben manchmal improvisiert, ohne dass sie es merkten. Somit wirke das Stück noch authentischer.

Dann kam der Tag der Aufführung: am Freitag, 10. Juni 2022 war die Premiere des Stückes „Mozarts phonetischer Fingerabdruck“. Das Problem ist nur, dass ich nicht da war :-(. Aber am Montag, 13. Juni, war ich dabei. Da wurde das Stück zweimal in einem Altenheim aufgeführt. Im ersten Durchgang war ich als Fotografin zuständig. Ich musste (gute) Fotos machen, damit sie vielleicht irgendwo veröffentlicht werden :-). Beim zweiten Durchgang saß ich als Zuschauerin dabei.

Der dritte Aufführungstag war in einem anderen Altenheim und auch da war es meine Aufgabe, Fotos zu machen. Da die Spielfläche in den Altenheimen anders aufgebaut war, gab es mal gute, mal schlechtere Fotos. Auch nach den Aufführungen beider Tage habe ich beim Einrichten und Aufräumen mitgeholfen.

Das Stück dauert circa eine Stunde und diese war überhaupt nicht langweilig, denn sie wurde mit ästhetischen Mitteln, Stücken von den Streicher*innen und dem Gesang der Darstellenden gefüllt. Es wurde mal leiser, mal lauter, dann traurig und witzig und glücklich. Bei den Aufführungen waren die Leute im Altenheim sehr begeistert. Wie ich mitbekommen habe, haben auch die älteren Zuschauer mitgeklatscht in einer Szene. Das sah sehr lebendig und zufrieden aus. AaltoMobil war anders als ich gedacht habe. Das war eine gute und interessante Abwechslung, da ich auch abseits des Theaters mein Praktikum verbringen konnte und ich sehen konnte, wie auch außerhalb des Theaters Menschen durch eine Aufführung Begeisterung und Freude zeigen. Das AaltoMobil bedeutete zwar etwas Hin- und Herlaufen, aber an sich war es entspannt und eine gute Zeit, auch wenn ich als Person etwas zurückhaltender bin. Man braucht halt seine Zeit, um sich an eine Situation zu gewöhnen 🙂

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Autor:

Valeria hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater. Außerdem war sie Teilnehmerin des Tanz-Workshops im Rahmen des Schulprojekts AkzepTANZ in den Schuljahren 2019/2020 und 2020/2021.

Il trittico – Ein Blick hinter die Kulissen

Wie läuft ein Opernabend hinter der Bühne ab und was macht eigentlich ein*e Inspizient*in?

Es ist der 31. März 2022. Auf dem Programm des Aalto-Theaters steht für diesen Donnerstag „Il trittico“ – drei circa einstündige Opern des italienischen Komponisten Giacomo Puccini –, eine entsprechend große Produktion mit sehr vielen Mitwirkenden, die am 22. Januar Premiere feierte. Es ist inzwischen die siebte Vorstellung und alle Beteiligten sind an den Ablauf gewöhnt. Unter anderem wegen Corona musste bei einer so großen Anzahl an Künstler*innen immer wieder kurzfristig Ersatz für Ausfälle gefunden werden. Doch an diesem Abend ist nur die Umbesetzung einer sehr kleinen Partie im letzten der drei Stücke nötig, und ansonsten können alle Künstler*innen wie geplant auftreten.

Um 19:30 Uhr soll die Vorstellung beginnen. Dafür bauen die Bühnentechniker*innen den Tag über das Bühnenbild auf. Es besteht im Wesentlichen aus einem flachen Wasserbecken und einem großen Spiegel, der darüber hängt. In der ersten der drei Opern „Il tabarro“ ist außerdem ein waagerechter Lichtstreifen im Hintergrund zu sehen und in der zweiten Oper „Suor Angelica“ umranden von oben herabhängende weiße Schleier das Becken. Wenn eineinhalb Stunden vor Beginn der Vorstellung das Becken befüllt wird, (das Wasser ist übrigens anfangs schön warm, damit niemand friert), zieht das häufig so viel Wasser aus dem System, dass in den höheren Etagen des Theaters kaum noch etwas aus dem Hahn kommt…

Wenn dann die Vorstellung beginnt und das Publikum die Musik und das Geschehen auf der Bühne verfolgt, arbeiten im Hintergrund, von den Zuschauer*innen unbemerkt, viele Menschen zusammen, damit alles läuft, wie es soll. Für alle technischen Abläufe wie Umbauten und für die Sicherheit auf der Bühne ist der*die Bühnenmeister*in hauptverantwortlich. Alles, was mit dem Licht zu tun hat, organisiert der*die Beleuchtungsmeister*in. Währenddessen kümmert sich die Abendspielleitung – an diesem Abend Sara Wieners – darum, dass alle Solist*innen wie geplant auftreten, und um die korrekten szenischen Abläufe, also alles, was die Sänger*innen auf der Bühne machen. Sie ist Regieassistentin und mit der Inszenierung vertraut, weil sie alle Proben betreut hat.

Und dann gibt es natürlich noch den*die Dirigent*in – bei „Il trittico“ Roberto Rizzi Brignoli, der die Sänger*innen und das Orchester im Orchestergraben musikalisch leitet.

Es ist also für jeden Bereich – Musik, Szene, Licht, Technik etc. – jemand zuständig. Wenn sich jeder gut um seinen Teil kümmert, sollte demnach alles funktionieren, oder?

Naja, eigentlich wäre es doch bei einer so großen Aufführung gut, wenn auch jemand den Überblick über alle Bereiche hätte! Wer sorgt dafür, dass alle Beteiligten vom Orchestergraben bis zur hintersten Ecke der Bühne auf die Sekunde genau zusammenarbeiten können?

Das macht der*die Inspizient*in – bei „Il trittico“ Constanze Zur-Kohls. Sie kommt eine Stunde vor Vorstellungsbeginn ins Haus und steuert dann den gesamten Verlauf des Abends vom ersten Gong im Foyer bis hin zum letzten Schließen des Vorhangs. Ihr Arbeitsplatz ist das Inspizientenpult an der rechten Bühnenseite. Es steht direkt am Rand, gerade so, dass man es im Zuschauerraum nicht sieht. Von dort aus hat die Inspizientin das Geschehen auf der Bühne genau im Blick und gibt den verschiedenen Abteilungen Zeichen dafür, wann was zu passieren hat. Dazu verfolgt sie die Noten im Klavierauszug, in dem die wesentlichen Orchesterstimmen und die Gesangspartien dargestellt sind und den sie vorher im Laufe der Proben mit Anmerkungen zum Ablauf der Inszenierung eingerichtet hat. Als Vermittlerin zwischen Kunst und Technik führt sie damit alle Beteiligten sicher durch die Vorstellung.

Vor Beginn kontrolliert Constanze bei einem kurzen Rundgang, ob das Bühnenbild richtig und sicher für die Künstler*innen aufgebaut ist und ob die wichtigsten Requisiten da sind. Am Inspizientenpult richtet sie sich alle Hilfsmittel passend ein. Ein Monitor zeigt die Bühnenansicht aus Publikumsperspektive – hier muss sie ein bisschen zoomen, um den Ausschnitt anzupassen – und auf einem zweiten Bildschirm ist die Stelle im Orchestergraben zu sehen, an der gleich der Dirigent stehen wird. Von ihm nimmt die Inspizientin während der Vorstellung wichtige Einsätze ab. Dann müssen auf einem Touchfeld die Räume im Gebäude ausgewählt werden, in denen der Hausruf zu hören sein soll. Wenn Constanze jemanden zur Bühne rufen will, der sich irgendwo im Gebäude aufhält, macht sie eine Durchsage, die dann über Lautsprecher in alle angewählten Räume übertragen wird. Für die Funkverbindungen zu den verschiedenen Abteilungen gibt es ein großes Schaltfeld zum Auswählen des Ziels ihrer Ansagen.

Außerdem wird die Mithöranlage angestellt, die den Orchesterklang aus dem Graben an das Pult überträgt. Leise Stellen können über die Entfernung tatsächlich schwer zu hören sein. Dann kann man mit dem Lautstärkeregler nachhelfen. Darüber hinaus gibt es am Pult Schalter mit farbigen Leuchtziffern von eins bis fünf. Diese Lichtzeichen werden an vielen Stellen im gesamten Bühnenraum angezeigt und helfen dabei, Auftritte oder andere abgesprochene Aktionen anzuzeigen. Dabei gilt grundsätzlich: Wenn die Zahl aufleuchtet bedeutet das „Achtung“ und wenn sie dann wieder ausgeht, ist der richtige Zeitpunkt erreicht. Hilfreich ist das zum Beispiel für Chorauftritte, bei denen Sänger*innen von mehreren Seiten gleichzeitig kommen sollen. Direkt neben den Leuchtziffern ist ein weiterer Knopf mit einer kleinen Abdeckung, die verhindert, dass man ihn versehentlich erwischt – Es handelt sich um den Auslöser für den Gong im Foyer.

Es ist 19:00 Uhr – Constanze gongt im Vorderhaus und gibt per Durchsage das „erste Zeichen“ für alle Beteiligten, die sich im Hinterhaus aufhalten, also in dem Bereich, der nur für die Mitarbeiter*innen zugänglich ist.

Um sicher zu gehen, dass alle Sänger*innen zu Beginn der Vorstellung da sind, müssen sie beim Betreten des Hauses an der Pforte auf einer Anwesenheitsliste unterschreiben. So kann die Inspizientin notfalls informiert werden, sollte jemand fehlen. In diesem Fall sollte die Aufführung nicht begonnen werden, bevor alle Gesangssolist*innen da sind.

Um 19:24 bittet Constanze „die Damen und Herren des Orchesters“ in den Orchestergraben, gefolgt vom generellen Hausruf an alle: „Dies ist das dritte Zeichen, ich bitte alle Beteiligten für ‚tabarro‘ zur Bühne“. Es wird noch zweimal im Foyer gegongt. Kurz vor Beginn meldet das Personal des Vorderhauses per Telefon die Besucherzahlen.

Jetzt geht alles sehr schnell. Constanze bittet die Requisite über Funk, die Dunstmaschinen anzustellen. Annemarie Kremer und Heiko Trinsinger, die die Hauptrollen in „Il tabarro“ singen, begeben sich auf Position. Währenddessen startet Constanze die aufgezeichnete Willkommens-Durchsage für das Publikum. Bis zuletzt scheint die Stimmung auf der Bühne sehr entspannt. Dann erlischt das Arbeitslicht auf den Seitenbühnen und schließlich das Bühnenlicht selbst. Constanze sorgt mit einem letzten „Scht!“ für Ruhe, gibt dem Dirigenten grünes Licht und schon hebt sich der Vorhang. Gerade erst war noch reges Treiben rund um die Bühne, jetzt ist nichts mehr zu hören – außer der Musik aus dem Orchestergraben, die langsam lauter wird.

Il tabarro

Constanze verfolgt den Klavierauszug mit. Immer, wenn sich das Licht verändern soll, wie zum Beispiel beim ersten Gesangs-Einsatz von Annemarie Kremer, gibt sie eine Anweisung ins Stellwerk – so heißt der Ort, an dem die Beleuchter*innen die vorgespeicherten Lichtstimmungen koordinieren. Dazu stellt Constanze die Funkverbindung zum Stellwerk her und spricht in ihr Headset: „Achtung für Stimmung 2… Stimmung 2… und… jetzt.“ Die Sänger*innen müssen den genauen Punkt für ihren Auftritt selber finden, allerdings werden sie ein paar Minuten vorher über den Hausruf zur Bühne gebeten. So heißt es einige Zeit nach Beginn „Frau Ranch bitte zur Bühne“. Bettina Ranch singt die Rolle „La Frugola“ und schiebt in der Essener Inszenierung einen vollgepackten Einkaufswagen durch das Wasserbecken, der beim Kontrollgang vorhin schon fertig vorbereitet auf der Seitenbühne stand. Beim ein oder anderen Auftritt hilft Constanze mit den Leuchtziffern, weil man die Musik hinter dem schwarzen Vorhang, der die Bühne nach hinten begrenzt, nicht gut hören kann.

Auf der linken Seitenbühne ist alles für die Bühnenmusik aufgebaut. Der Chor singt und Orchestermitglieder spielen an verschiedenen Stellen der Oper zum Beispiel Glocken oder auch ein Trompetensignal und eine Hupe von der Seite aus, sodass der Klang für das Publikum hörbar nicht aus dem Orchestergraben, sondern von der Bühne kommt. Dazu werden die Gesten des Dirigenten auf einem Bildschirm übertragen und zusätzlich dirigiert ein*e Musiker*in des Hauses mit. Auch zwei Solist*innen singen in „Il tabarro“ von der Seite aus. Für sie steht ein Mikro zur Verstärkung bereit, welches auf Constanzes Ansage hin zum richtigen Zeitpunkt vorbereitet wird.

Es ist jetzt 20:18 Uhr und während auf der Bühne das Finale von „Il tabarro“ in vollem Gange ist und sich der Konflikt zwischen zwei Figuren zuspitzt, macht die Inspizientin schon den Hausruf: „Ich bitte alle Beteiligten für Suor Angelica zur Bühne, die Soli, den Opernchor und die Bühnenmusik“. Der Übergang zur zweiten der drei Opern ist in der Essener Inszenierung fließend. Daher müssen alle Beteiligten rechtzeitig bereitstehen. Noch ist aber die Handlung von „Il tabarro“ nicht vorbei. Auf der Bühne geht es hektisch zu und es gibt schnellere Lichtwechsel. Hinter einer der Zahlen für die durchnummerierten Lichtstimmungen, die Constanze angibt, verbirgt sich ein helles flackerndes Licht von der Seite, sodass die Inspizientin nun mit im Blitzlicht sitzt. Davon ungestört gibt sie weitere Anweisungen, sagt neue Lichtstimmungen durch und kündigt kurz darauf das Herablassen der weißen Schleier an. Sie hängen von Anfang an im Schnürboden – so nennt man den großen freien Raum über der Bühne, wo Kulissen hängen, die von oben herab eingefahren werden. Die letzten dramatischen Töne von „Il tabarro“ verklingen, der Dirigent wartet einen Moment, dann ist es soweit, „Suor Angelica“ beginnt mit Glockenklängen: „Die Schleier… jetzt!“

Suor Angelica

Langsam senken sich die weißen Schleier von oben herab und die Protagonist*innen der ersten Oper bewegen sich wie in Zeitlupe von der Bühne weg, während sich von hinten die Nonne Schwester Angelica nähert – sie ist die Hauptfigur der zweiten Oper und wird gesungen von Jessica Muirhead. Constanze weist die Requisite an, die Dunstmaschinen auszustellen, wenn die Schleier ganz unten sind und informiert dann über den Hausruf „Suor Angelica hat soeben begonnen“. Die Frauen des Opernchores kommen in Nonnengewändern gekleidet von allen Seiten und erscheinen hinter den Schleiern. Der Chor beginnt zu singen und Constanze hat erstmal einen Moment Ruhe, nachdem der Übergang zur zweiten Oper gelungen ist.

Um 20:48 Uhr tritt die „zia principessa“ – die böse Tante von Angelica – auf. Gesungen wird die Rolle von Bettina Ranch – Moment, war die nicht schon in „Il tabarro“ dabei? Genau, innerhalb der Zeit, die seit ihrem Abgang als „La Frugola“ vergangen ist, war sie in der Maske und hat sich umgezogen, sodass man sie nun nicht wiedererkennt. Bei ihrem Auftritt wird jetzt ein Schleier von einem Mitarbeiter der Technik an der Seite auch vorne wie ein Vorhang mit einer Kordel vor das Becken gezogen.

Am Ende der zweiten Oper gibt es ein großes dramatisches Finale. Während Jessica Muirhead auf der Bühne alleine singt, musizieren hinter der Bühne viele Musiker*innen zusammen: Der Aalto-Opernchor, der Kinderchor und Mitglieder des Orchesters, die Trompete, Klavier und Glocken spielen. Constanze ruft sie um 21:04 Uhr alle rechtzeitig zur linken Bühnenseite, bis dann um 21:12 die Chorverstärkung von der Tonabteilung nach Aufforderung eingeschaltet wird und dann alle gemeinsam musizieren: Das Orchester im Graben, die Solistin auf der Bühne und der Chor mit weiteren Musiker*innen hinter der Bühne. Außerdem wird der Klang der elektrisch betriebenen Orgel aus einem Raum im Untergeschoss übertragen. Zum Schluss fallen die weißen Schleier an einigen Stellen hinunter, ausgelöst durch ein Zeichen von Constanze. Der letzte Ton verklingt und das Bühnenlicht erlischt.

Für die richtige Reihenfolge der Künstler*innen beim Applaus sorgt Sara Wieners, die Abendspielleiterin, mit Zeichen und tatsächlich auch mit lauten Rufen von der Seite. Im Publikum hört man das beim Lärm des Klatschens nicht. Was einem jedoch auffallen kann, ist, dass da beim Applaus vor der Pause nicht alle bisher Beteiligten dabei sind. Das liegt daran, dass zum Beispiel Heiko Trinsinger, Marie-Helen Joël und Liliana de Sousa eine zweite Rolle in der letzten der drei Opern haben und direkt nach ihrem ersten Auftritt wieder in der Maske verschwinden und ein neues Kostüm anlegen.

Pause

Hinterm geschlossenen Vorhang wird das Bühnenbild für die dritte Oper „Gianni Schicchi“ aufgebaut. Schwimmende Elektro-Teelichter, die zuvor während „Suor Angelica“ in das Becken gelegt wurden, werden jetzt mit einem Kescher aus dem Wasser gefischt und die weißen Schleier sorgfältig in Hüllen verpackt. Dann hängen die Bühnentechniker*innen Jalousien auf, die später wieder aus dem Schnürboden herabgelassen werden. Zudem werden eine Seifenblasenmaschine und eine Fontäne getestet, die im hinteren Bereich des Beckens positioniert sind. Im vorderen Bereich wird aus vielen einzelnen Elementen ein Podest über das Wasser gebaut, sodass man darauf laufen kann.

Sobald alles fertig ist, macht Sara Wieners mit dem Einspringer für eine Gesangspartie noch eine Bühnenbegehung, damit er sich im Bühnenbild zurechtfindet und weiß, was er zu tun hat.

Um 21:49 Uhr heißt es dann „Die Pause auf der Bühne ist beendet, ich bitte alle Beteiligten für Gianni Schicchi zur Bühne!“. Das Publikum nimmt nach dem Gong im Foyer wieder die Plätze ein und hinter dem Vorhang gehen alle auf Position.

Gianni Schicchi

Die dritte Oper ist eine Komödie. Es geht wild und lustig zu, weil alle möglichst viel vom reichen Erbe eines Verwandten abbekommen möchten. Am Anfang warten sie wie eingefroren im Hintergrund und stürmen dann nach dem Schuss, mit dem der Verwandte sich umbringt, auf die Bühne, um nach dem Testament zu suchen. Das wilde Treiben geht einher mit vielen schnellen und unerwarteten Lichtwechseln und anderen Effekten. Constanze hat also viel damit zu tun, ihre Ansagen auf die Note genau zu geben: Fontäne an, Fontäne aus, neues Licht, Jalousien runter, Dunst aus, Achtung für Schüsse, neues Licht,… Die Darsteller*innen holen auf der Suche nach dem Testament haufenweise Aktenordner zum Durchwühlen auf die Bühne, die von der Requisite bereitgestellt werden.

Dann ruft sie Heiko Trinsinger zur Bühne. Er spielt schon wieder die Hauptrolle, nach der das Stück in diesem Fall auch benannt ist: Gianni Schicchi. Dafür hat er nun eine Glatze, die ihm die Maske täuschend echt über seine Haare gebastelt hat.

Nach reichlich Chaos und einem manipulierten Testament neigt sich der Abend langsam aber sicher dem Ende entgegen. Um 22:41 informiert Constanze das Hinterhaus: „In wenigen Minuten ist die Vorstellung vorbei.“ Zum Schluss verscheucht Gianni Schicchi alle anderen Figuren von der Bühne, die dabei wild entschlossen alles mitnehmen, was noch im Bühnenbild herumsteht. Singend rennen sie durcheinander, auf die Mitarbeiter*innen zu, die am Bühnenrand alles, was die Künster*innen von der Bühne schleppen entgegennehmen. Von Off-Stage singen sie weiter, für den Zuhörer wie von ganz weit weg, obwohl sie eigentlich direkt am Bühnenrand stehen. Direkt neben Constanze singt Heiko Trinsinger in einer ordentlichen Lautstärke. Sie sorgt währenddessen dafür, dass die Seifenblasenmaschine und die Wasserfontäne angehen und dass sich noch einmal ein langer Lichtstreifen – jetzt hängend, wie ein lächelnder Mund – von oben herab senkt, welcher an den Lichtreifen aus „Il tabarro“ erinnert. In diesem letzten Szenario richtet sich Gianni Schicchi schließlich an das Publikum, bevor Constanze das „Blackout“, also das „Licht aus“ angibt und den Vorhang schließt: „Für diese Schelmerei hat man mich in die Hölle geworfen. Sei’s drum! […] Wenn ihr heute Abend Spaß hattet, gewährt mir doch bitte mildernde Umstände!“

Die letzte Vorstellung von „Il Trittico“ in dieser Spielzeit findet am 15. Juni 2022 um 19:30 statt.

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Autor:

Noah absolviert derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ-Kultur) in der Notenbibliothek des Aalto-Theaters.

Mein „Yesterdate“-Vorstellungsbesuch

Am Freitag, den 14. Januar 2022, war ich zum ersten Mal in einer Aufführung von „Yesterdate – Ein Rendezvous mit den 60ern“ und ich muss sagen ich war sehr begeistert.

Zu Beginn der Vorstellung war ich sehr aufgeregt, weil ich im Büro der Theaterpädagogik schon einiges an tollen Dingen mitbekommen hatte. Ich habe mich ziemlich auf die „Partystimmung“ gefreut [Anm. d. Red.: wie die WAZ am 10. Februar 2020 versprochen hat] und auf die Lieder, wie zum Beispiel: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, gesungen von Marie-Helen Joël oder „Schuld war nur der Bossa Nova“, gesungen von Christina Clark.

Beide verzauberten nicht nur mich mit ihren wunderschönen Stimmen, sondern das gesamte Publikum, welches völlig begeistert war.

Aber nicht nur Marie Helen Joël als „Bärbel“ und Christina Clark als „Penny“ rissen uns mit ihren tollen Stimmen und ihren Performances mit, sondern auch Brigitte Oelke als „Gunda“, Thomas Hohler als „Alexander“, Ruud van Overdijk als „Lutz“, Alexander Franzen als „Rolf“ und Henrik Wager als „Kenneth“. Zusammen gaben sie ein sehr tolles Team ab, das gemeinsam die Bühne gerockt hat! – Und uns alle zurück in die 60er Jahre geschickt hat.

Das Publikum hatte sehr viel Spaß, genauso wie ich. Meine Augen haben gestrahlt, weil ich so beeindruckt davon war, dass alle – egal ob Groß oder Klein, Jung oder Alt – Spaß hatten. Es sind wirklich alle aufgestanden und haben mitgeklatscht und mitgetanzt.

Davon mal abgesehen, dass sich die Künstler*innen so den Hintern abrackern und so viel Arbeit in Yesterdate“ reinstecken (oder generell auch in andere Stücke), schaffen sie es außerdem, uns in diesen schwierigen Zeiten zum Lachen zu bringen.

Es war ein sehr schöner Abend!

Wenn mich jemand fragen würde, was das Schönste war, dass ich am Anfang des Jahres erlebt habe, dann würde ich vermutlich antworten: „Mein Praktikum und als ich im Aalto-Theater in der Show ‚Yesterdate‘ war“.

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Autor:

Ciara hat ein dreiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater. Außerdem ist sie Teilnehmerin des Szenen-Workshops im Rahmen des Schulprojekts AkzepTANZ.

Interview mit der Sängerin Christina Clark

Christina Clark ist Opernsängerin am Aalto-Theater. Sie singt nicht nur in Opern, sondern singt und spielt (unter anderem) auch bei „Hexe Kleinlaut“-Produktionen, der „Teatime“ oder der Musical-Revue „Yesterdate“ mit.

Wie und warum sind Sie an die Oper gekommen?

Ich habe in Amerika Gesang studiert und wollte Opernsängerin werden. Und dann bin ich guten Weges nach Deutschland gekommen und habe dann hier vorgesungen, weil hier eine Stelle frei war. Die Frau, die hier gearbeitet hat war schwanger, daher war ich am Anfang eine Schwangerschaftsvertretung. Und dann bin ich hier geblieben.

Wann haben Sie angefangen im Aalto-Theater zu arbeiten?

Vor über 20 Jahren habe ich hier angefangen.

Wollten Sie schon immer Sängerin werden oder wollten Sie auch mal was anderes werden?

Als ich klein war wollte ich, dass mich meine Eltern nach Hollywood fahren und wollte ein Movie Star werden. Tja, das haben sie nicht gemacht. Ich war sehr enttäuscht (Hahahahaha). Singen wollte ich aber schon lange! Dass ich Opern singen wollte – dieser Wunsch kam erst durch meine erste richtige Gesangslehrerin auf. Da war ich dann schon 16 oder 17 Jahre alt.

Was hat Sie dazu gebracht bzw. inspiriert Opernsängerin zu werden?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass das meine erste Gesangslehrerin war, die mich in diese Richtung gelenkt hat, weil sie selbst Opernsängerin war. Wenn ich jemand anderes gehabt hätte, dann wäre ich womöglich in eine andere Richtung gegangen. Vor meinem 18. Lebensjahr hatte ich tatsächlich noch keine Oper gesehen. 

Gibt es Bereiche in denen Ihr Beruf Sie einschränkt?

Ja, denn meine Arbeitszeiten sind ziemlich speziell. Wir arbeiten immer vormittags von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr und dann abends von 18:00 Uhr bis maximal 22:00 Uhr und das ist nicht besonders familienfreundlich.

Was waren bis jetzt Ihre Lieblingspartien, die Sie auf der Bühne gesungen haben?

Das ist eine sehr schwierige Frage… Ich weiß nicht, ob ich es nur auf eine Rolle reduzieren könnte. Ich habe meistens das Glück, dass das, was ich in dem Moment mache, zeitgleich in dem Moment auch meistens mein Lieblingsstück ist. Aber auf eine Rolle, auf die ich sehr gerne zurückblicke, ist die Partie der Susanna aus „Le Nozze di Figaro“ (Die Hochzeit des Figaro). Das ist eine unglaublich tolle Rolle für mein Stimmfach, weil die Figur eine Wandlung durchmacht. Sie ist sehr vielseitig: Sie ist echt, klug, lustig. Sowas mag ich total gerne.

Fällt es Ihnen schwer, Opern auf anderen Sprachen zu singen?

Die meisten Opern sind in italienischer, englischer, deutscher oder französischer Sprache. Wenn es aber eine Sprache ist, zu der ich keinen Bezug habe, dann fällt mir das schon ein bisschen schwer. Wenn wir zum Beispiel ein Stück auf in tschechischer Sprache machen – was auch schon öfters vorgekommen ist – fällt mir das schon schwer, weil ich zu dieser Sprache keinen Bezug habe.

Sie haben ja schon oft auf Bühnen gestanden. Sind Sie vor Vorstellungen trotzdem noch nervös?

Ich bin tatsächlich viel weniger nervös als am Anfang, aber es gibt Rollen, vor denen ich nervös bin oder großen Respekt habe. Und meistens habe ich so eine positive Aufregung, die immer da ist – Die braucht man ja auch.

Was macht Ihnen in Ihrem Job am meisten Spaß?

Ich liebe Musik und ich liebe auf jeden Fall diese Kombi aus Musik und Spiel. Und auch dieses ganze Drumherum: Kostüm, Maske, Licht… Ich finde das alles total spannend. Das wird auch nach all den Jahren nicht langweilig.

Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit?

Ab und zu höre ich klassische Musik – inklusive Opern – aber nicht so oft. Ansonsten höre ich wahnsinnig gerne Jazz oder R&B.

Und was würden Sie den Leser*innen gegen Lampenfieber empfehlen?

Das beste Mittel ist gute Vorbereitung. Das ist das A und O. Wenn du gut vorbereitet bist, dann kannst du trotzdem Lampenfieber haben, es sollte aber nichts schief gehen.

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Autor:

Ciara hat ein dreiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater. Außerdem ist sie Teilnehmerin des Szenen-Workshops im Rahmen des Schulprojekts AkzepTANZ.

Interview mit der Kostümassistentin Amelie Albrecht

Amelie Albrecht ist seit circa sechs Jahren als Kostümassistentin am Aalto-Theater tätig. Zu ihren bisher betreuten Produktionen gehören unter anderem „Norma“, „Lohengrin“ und „Il Trittico“. Ihr Büro befindet sich auf der fünften Etage des Aalto-Theaters in der Kostümabteilung.

Was sind deine Aufgaben als Kostümassistentin am Aalto-Theater?

Ich sag immer so „Ich bin das kreative Mädchen für alles“. Als Kostümassistentin übernehme ich (im Wechsel mit meiner Kollegin) eine Opern- oder Ballettproduktion mit einer Produktionsleitung aus unserer Abteilung. Die Produktionsleitung bestellt dann zum Beispiel Stoffe oder spricht Termine mit den jeweiligen Kostümbildnern ab. Wir Kostümassistentinnen gucken dann schonmal, ob zum Beispiel Stoffe eingefärbt werden müssen, was bearbeitet oder eingekauft werden muss. Hauptsächlich sind meine Aufgaben im kreativen Bereich. Ich arbeite aber natürlich auch manchmal am Computer. Wir bereiten sozusagen das ganze Stück vor und geben es dann in der Hauptprobenwoche an die Ankleider*innen ab und erklären denen, wer was und wann anzieht usw.

Ist das ein Beruf, den du dir als junges Mädchen für dich schon vorgestellt hast?

Ne, eigentlich nicht. Ich wusste gar nicht, dass es den Beruf gibt. Ich wollte immer schon was Kreatives machen aber ich wusste nicht, dass es solche Jobs im Theater gibt. Ich habe erstmal mein Abitur gemacht und bin dann zur privaten Modeschule nach Düsseldorf gegangen. Dort habe ich drei Jahre lang eine Ausbildung zur Modedesignerin gemacht. Dann habe ich allerdings irgendwann gemerkt, dass der kreative Prozess, den ich in der Modeschule gelernt habe, bei den meisten Klamottenlabels nur am Computer stattfindet. Eine Freundin hat mir vorgeschlagen, dass ein Job in einer Kostümabteilung am Theater eine Überlegung wert sei und dann hab ich mir gedacht, dass das eigentlich eine gute Idee wäre… In einem Onlineportal habe ich eine Ausschreibung für ein Jahrespraktikum am Aalto-Theater gefunden und habe mich darauf beworben – und wurde genommen. Das hat mir dann hier richtig Spaß gemacht, weil man auch viel mit anderen Bereichen aus dem Theater zusammen- und intensiv kreativ arbeitet. Nach dem Praktikum hab ich erstmal viele unterschiedliche Jobs gemacht und konnte mir auch viele Bereiche angucken. Allerdings habe mich immer so von Monat zu Monat gehangelt – und dann hat mich irgendwann die damalige stellvertretende Kostümdirektorin angerufen und mich gefragt, ob ich hier als Schwangerschaftsvertretung einsteigen würde. Das hab ich gemacht und im Anschluss eine feste Stelle bekommen. Ich bin auf jeden Fall ziemlich happy, dass ich das gemacht habe und hier an dem Haus bleiben konnte und so nette Kollegen habe!

Du hast ja schon bei einigen Stücken als Kostümassistentin mitgearbeitet. Wie lange braucht man ungefähr, damit die Kostüme für eine Produktion fertig sind?

Wir rechnen immer mit ungefähr einem Jahr . Wir fangen ein Jahr vor einer Premiere schon mit den Planungen an und stellen Kontakt zu den Kostümbildner*innen her. Anfangs gibt es dann eine Kostümabgabe, bei der die Kostümbildner*innen erklären, was für Kostüme die jeweiligen Figuren tragen sollen. So können schonmal Stoffe oder andere Dinge, die man benötigt, bestellt werden. Daraufhin werden die Kostümteile, die fertig besprochen sind, in der Schneiderei angefertigt, oder es werden noch Teile aus dem Fundus rausgesucht, die man für die Produktion gebrauchen kann. Wenn ein Kostüm „fertig“ ist, gibt es dann so drei bis vier Anproben für die jeweiligen Künstler*innen – bis das Kostüm perfekt sitzt. Die Proben starten für gewöhnlich sechs Wochen vor der Premiere. Bis zur KHP (Klavierhauptprobe) sollten alle Kostüme fertig sein. Diese findet meist eine knappe Woche vor der Premiere statt.

Und wo werden all die Kostüme gelagert?

Es gibt Fundus im Aalto- und Grillo-Theater, in denen die Kostüme hängen, die zur „freien“ Verfügung stehen. Kostümteile, die in festen Stücken sind, sind auf fertig gepackten Ständern gelagert und stehen im Abendfundus oder in Rollschränken, die auf mehreren Etagen zu finden sind. Wenn ein Stück zum Beispiel für eine längere Zeit nicht gespielt wird aber noch nicht abgespielt ist, dann sind die Kostüme für dieses Stück bei uns im Keller eingelagert. Dafür stehen vier weitere Räume zur Verfügung.

Welche unterschiedlichen Berufe gibt es in der Kostümabteilung?

Es gibt zwei Kostümassistentinnen, dann gibt es die Produktionsleitungen und die Direktion der Kostümabteilung. Für eine Produktion gibt es immer ein Team aus einem*r Produktionsleiter*in und einer Kostümassistentin, die den Kostümbereich für das Stück leiten und betreuen. Es gibt natürlich die Ankleider*innen, die abends die Vorstellungen betreuen und den Darsteller*innen mit den Kostümen helfen und Kostüme wieder aufarbeiten (waschen, bügeln etc.). Außerdem gibt es noch die Schneider*innen in der Damen- und der Herrenschneiderei, die Gewandmeister*innen, die noch eine spezialisierte Weiterbildung haben, und es gibt noch einen Schuhmacher.

Was passiert mit den Kostümen, die nicht mehr benötigt werden?

Wenn ein Stück abgespielt ist, bekommen wir eine Nachricht vom Intendanten und dann kommen die Kostüme einfach in den Fundus, wo sie für andere Stücke wiederverwertet werden. Wenn der Fundus aus allen Nähten platzt, wird auch schonmal aussortiert.

Muss wirklich jedes Kostüm an jede*n Sänger*in oder Tänzer*in angepasst werden oder werden manche auch einheitlich produziert? 

Jeder, der auf der Bühne steht, kommt zu Anprobe. Manchmal sogar Tiere! Jede*r bekommt ein persönlich auf sie*ihn angepasstes Kostüm. Die Solist*innen und der Chor kommen zu uns, manchmal auch der Extrachor, die Statist*innen, der Kinderchor und mitunter gibt es auch noch externe Musiker*innen, Solist*innen oder Schauspieler*innen. Wir probieren tatsächlich jeden an. Wenn beispielsweise 300 Leute auf der Bühne stehen haben wir circa 300 bis 500 Anproben. Meistens fangen wir dann mit den Chorsänger*innen an, weil es sehr viele sind. Und dann kommen die Solist*innen, weil man bei denen oft auf noch mehr Details achten muss.

Als letzte Frage kommt jetzt noch eine Schätzfrage. Wie viel Kostüme habt ihr ungefähr?

Das ist eine gute Frage – Kann ich gar nicht sagen… Aber es sind auf jeden Fall unglaublich viele, bestimmt über 10.000!

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Autor:

Adreana hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

AaltoMobil „Kriminaltango mit Carmen“

Das erste Jahr liegt schon längst hinter uns! Zwar lief alles anders als zunächst geplant, aber mit Unterstützung der Förderung „Neue Wege“ sind drei unterhaltsame Produktionen auf den Weg gebracht: Im Dezember 2020 wurde zur Klärung der Frage „Mord oder Notwehr“ der berühmte Hexen-Fall mit den Tatverdächtigen Hänsel und Gretel neu aufgenommen.

Hier findet ihr das Hörspiel:

Im März 2021 ließ der (vermeintliche) Raub der Königin der Nacht Chefinspektor Magnus B. Harrlich und Inspektor Doktor Dan Wassden keine Ruhe, sodass Papagena und Papageno einiges richtig zu stellen hatten.

Hier könnt ihr die Streaming-Aufnahme sehen:

Und dass „Der Ring“ ein Fall für eine Stunde ist, konnte in einer ersten Vorstellungsreihe Ende Mai 2021 bestätigt werden. Sei es als Hörspiel, Live-Stream oder -Darbietung – jedes Format fand und findet sein Publikum.

Die Idee der Theater und Philharmonie Essen (TUP) ist es, mit dem Projekt „AaltoMobil“ Musik-Produktionen für Seniorenheime, Hospize, Krankenhäuser, Justizvollzugsanstalten und Schulen anzubieten. Künstler*innen verlassen mit mobilen Auftritten und Workshops das Theater und sprechen vorrangig ein Publikum an, das aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage ist, eigenständig in das Theater oder den Konzertsaal zu kommen. Mit „AaltoMobil“ kommt die TUP einmal mehr der politischen Forderung nach kultureller Teilhabe für Alle nach.

Im November 2021 stand ein „Kriminaltango mit Carmen“ nach der Oper „Carmen“ von Georges Bizet (Premiere 22. November 2021) auf dem Programm. Es folgt noch eine 60er-Jahre Show unter dem Titel „Musik der 60er! Genau mein Fall!“ (Premiere 15. März 2022), und wir begeben uns auf die Suche nach „Mozarts phonetischem Fingerabdruck“ (Premiere 10. Juni 2022).

Hier könnt ihr noch ein paar Fotos sowie das „Making of“ von unserem einstündigen Opernkrimi „Kriminaltango mit Carmen“ sehen:

„Happy New Year“ und das Schulprojekt „AkzepTANZ“

Wir wünschen euch einen frohen und gesunden Start ins neue Jahr!

Und zu Beginn des noch jungen Jahres 2022 möchten wir direkt mal von unserem Schulprojekt „AkzepTANZ“ berichten, dass sich seit Beginn des Schuljahres in der 2. Runde befindet: Partnerschule ist erneut die Essener Gustav-Heinemann-Gesamtschule. Deren Schüler*innen haben bereits in den vergangenen zwei Jahren erfahren, wie aufregend Musiktheater, Ballett und klassisches Konzert sein können. Das Projekt, das 2019 vom Aalto-Theater und der Stiftung Zollverein ins Leben gerufen wurde, nimmt nun zum zweiten Mal Kinder und Jugendliche mit in die Welt von Tanz, Konzert und Oper. Es warten Proben-, Konzert- und Vorstellungsbesuche, Backstage-Formate und Gespräche mit Theaterleuten auf die Teilnehmer*innen, und sie werden wertvolle Einblicke in die Abläufe des Tanz-, Musiktheater- und Konzertbetriebes erhalten. Zudem werden sie die Möglichkeit haben, das Welterbe Zollverein besser kennenzulernen.

Geht es anfangs noch um einführende Veranstaltungen, setzen sich die Kinder und Jugendlichen bereits ab Herbst 2021 in Tanz-, Szenen- und Kunst-Workshops mit einem musikalischen Schwerpunkt-Thema auseinander, wodurch die Akzeptanz klassischer Musik im Alltag gefördert wird. Diesmal richtet sich der Blick auf den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart und seine Musik. Die beiden Schulklassen, die an den wöchentlich stattfindenden Workshops teilnehmen, werden eine Art Kurzfilm produzieren.

Gefördert wird das Projekt von der RAG-Stiftung und der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein (GFF)

Kleinlaut, Vorlaut, Jugendtreff

Dornröschen, Herbststimmung, Ritter, Mozart und die Rüstmeisterei –  das waren die Schlagworte für unsere Kleinlaut- und Vorlaut-Produktionen sowie unseren Jugendtreff.

Anfang September starteten wir im Foyer direkt mit unserer Oper Kleinlaut-Produktion „Donnerröschen und der Forscherkönig“, um uns Ende des Monats und im Oktober kopfüber ins „bunte Herbstgeraschel“ zu stürzen.

Fräulein Vorlaut hat für ihr Programm „Die Ritter im Gewitter“ Bücher gewälzt und Dokus geschaut, damit sie mit ihren Freund*innen ab 6 Jahren über Rüstungen, das Leben eines Knappen und Tischsitten im Mittelalter plaudern konnte.

Einer unserer Jugendtreffs stand ebenso ganz im Zeichen von Rittern und Rüstungen – und so durften wir unsere Rüstmeisterin Martina Flößer in ihrer Werkstatt besuchen, die uns ihren Beruf vorgestellt und ihre Aufgaben erklärt hat: Kronen, Rüstungen, Waffen, Nussknacker, verschiedene Werkzeuge, Maschinen und Arbeitsmethoden und vieles mehr.

Im Rahmen unseres Jugendtreffs haben wir außerdem viel Spannendes über Mozart besprochen und konnten sogar kurz einer Bühnenprobe von „La finta giardiniera“ beiwohnen. Wenige Tage später kamen direkt einige Jugendtreff-Teilnehmer*innen wieder ins Theater, um die Generalprobe erleben zu können. Ganz exklusiv saßen wir auf dem 1. Balkon und haben Vor- und Nachgespräche geführt. Ein herzliches Dankeschön nochmal an alle, die dabei waren und so spannende Fragen gestellt und tolle Dinge entdeckt haben! So einen gemeinsamen Probenbesuch müssen wir unbedingt wiederholen!

Fröhliche Weihnachten!

Das gibt’s doch gar nicht! Weihnachten steht schon wieder vor der Tür!

Und wir haben uns bestens auf die Feiertage eingestimmt. Mit Hexe Kleinlaut-Vorstellungen im Foyer und auf dem Welterbe Zollverein, mit Kartenabreißerin Claudia in der Philharmonie und der (endlich wieder stattfindenden) Wunschbaumaktion.

Wir nehmen die ganzen Ohrwürmer von der „Weihnachtsbäckerei“, dem „Tannenbaum“ mit den grünen Blättern und der „Geburtstagsparty im Bäckerladen“ mit nach Hause und werden die nächsten Tage mit Plätzchen und der Familie unterm Weihnachtsbaum verbringen.

Wir wünschen euch allen ein schönes Fest, funkelnde Lichter, strahlende Augen und natürlich Gesundheit!

Bis ganz bald im Aalto-Theater

Marie-Helen und Sandra

Zurück im Theater

Wir sind wieder hier, freuen uns riesig auf die anstehende Spielzeit 2021/2022 und sind voller Tatendrang!

An diesem Wochenende stehen direkt die ersten Vorstellungen im Rahmen von „Oper Kleinlaut“ auf dem Programm. Unser Jugendtreff wird im September endlich wieder live stattfinden, Hexe Kleinlaut und Fräulein Vorlaut können es gar nicht abwarten Quatsch zu machen und das Teewasser aufzusetzen und auch Formate wie unser Schulpatenprojekt „AkzepTANZ“ und neue Produktionen im Rahmen von „AaltoMobil“ werden fortgesetzt.

Hier findet ihr alle Infos – wann, wo, wie und überhaupt: https://www.theater-essen.de/oper/kinder-jugend/

Bis ganz bald im Aalto-Theater, in der Philharmonie, auf Zollverein, in der Schule oder, oder, oder…

Eure Marie-Helen und Sandra

Foto: Lukas Zander