Wie wird man eigentlich Fräulein Vorlaut, Marie-Helen Joël?

Nicht nur den Stadtgarten hat sie von ihrem Büro in der sechsten Etage des Aalto-Theaters gut im Blick. Auch weiß sie immer, wie man die Menschen begeistern kann – egal welche Oper und welche Altersklasse es betrifft. Marie-Helen Joël, seit der Spielzeit 1993/1994 als Sängerin an der Essener Bühne engagiert, ist seit 2011 zugleich auch die Leiterin der Theaterpädagogik. Nach den erfolgreichen Jugendprogrammen wie „Rockin’ the stage“ und dem Familienmusical “Die Märchenwelt zur Kur bestellt“ inszeniert die gebürtige Aachenerin in der kommenden Spielzeit die Oper ”Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, in der sie auch selbst als Mutter zu sehen sein wird. Nicht nur in diese Rolle schlüpft die verwandlungsfähige Sängerin und Theaterpädagogin – auch Fräulein Vorlaut und Hexe Kleinlaut, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Welt der Opern in eigenen Formaten näher bringen, stecken in ihr drin. Wie kommt man zu einem so vielfältigen Job? Johanna Renner hat während ihres zweiwöchigen Schülerpraktikums bei Marie-Helen Joël nachgefragt. 

MH und Johanna

Marie-Helen und Johanna im Büro der Theaterpädagogik

Frau Joël, Sie singen, Sie schauspielern, Sie konzipieren, Sie organisieren, Sie lehren – wie kommt man zu einem so abwechslungsreichen Job im Theater?

Ich habe erst Schulmusik gemacht, weil ich immer schon gerne mit Menschen zusammen gearbeitet oder mich ausgetauscht habe. Bei dem Schulmusikstudium habe ich dann gemerkt, dass ich sehr gut singen kann. Ich habe mich dann entschlossen, noch ein Aufbaustudium für Gesang nach dem Abschluss des Schulmusikstudiums anzuhängen. Nach dem Studium habe ich dann zunächst zwei Jahre musikalische Früherziehung mit Kindern gemacht, dann aber eine Stelle an der Oper in Bonn bekommen. Dort hab ich dann wirklich erst nur als Sängerin gearbeitet. Ich hatte mich damals bewusst gegen den Schuldienst entschieden und wollte in diesen pädagogischen Bereich auch erst mal nicht mehr rein. Als ich dann ziemlich viel im Solobereich gemacht habe, auch hier in Essen später, habe ich aber gemerkt, dass ich irgendwie wieder den Weg zurück und mit Menschen gerne Sachen erarbeiten und ihnen Musik vermitteln möchte. Und so bin ich dann eben auf die Idee gekommen: In der Musikhochschule in Detmold gibt es einen Masterstudiengang für Musikvermittlung und Konzertpädagogik – und dann habe ich das studiert und den Master gemacht.

Und wie sind Sie dann nach Essen gekommen?

Es kam in der Zeit dann gerade genau aus, dass hier in Essen eine Stelle als Theaterpädagoge am Aalto-Theater frei wurde – die Chance habe ich dann genutzt. Jetzt bin eben in einer Doppelfunktion als Sängerin und Theaterpädagogin hier im Haus tätig. Und das ist eigentlich das Tolle: Ich musste mich nicht entscheiden, ob ich lieber singe oder lieber Theaterpädagogin bin – ich darf jetzt beides machen.

Was sind denn so die Aufgaben eines Theaterpädagogen?

Oh (muss lachen), die sind wirklich sehr vielfältig. Man kann sie sich ein bisschen selber definieren. Die Grundaufgabe eines Theaterpädagogen ist natürlich die Kunstform, in unserem Fall der Oper, zu vermitteln – egal ob Kindern, Erwachsenen oder Jugendlichen. Einfach den Zugang zu vermitteln: Welche Geschichte erzählt die Oper, was hat der Komponist sich dabei gedacht, in welcher Zeit ist sie entstanden – all solche Dinge. Hier in unserer Abteilung machen wir das in der Form, dass wir sehr viele Konzerte anbieten für unterschiedliche Altersklassen. Das haben wir unterschiedlich gestaffelt: für 3-6-Jährige, für 6-10-Jährige und für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren. Auch für Erwachsene haben wir einige Angebote:  Da gibt es manchmal die Konzertform und manchmal mehr so eine Art Gesprächsrunde. Wir haben da verschiedene Formate.

Und was macht am meisten Spaß davon?

Das ist eine gute Frage…kann ich eigentlich gar nicht sagen. Mir macht alles Spaß, vor allem in dem Moment wo ich in einem Projekt drin stecke. Vorher denke ich oft: „Oh, noch die ganze Arbeit“, aber wenn ich es dann mache, ist es eigentlich immer super. Das hab ich nur ganz selten, dass mir da etwas nicht gefällt.

Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut, die von ihrer Kollegin Christina Clark und Ihnen verkörpert werden, sind am Aalto-Theater ja längst feste Größen. Wie kam die Idee zu diesen beiden Figuren zustande?

Vor bestimmt 10 Jahren haben Christina Clark und ich zwei Hexen erfunden: die Hexe Kleinlaut und ihre Freundin Crizzy. Das war für 3-6-Jährige, wobei wir kleine Opernformate gemacht haben. Dann haben wir festgestellt, dass das bei den Kindern super ankommt und gedacht: Ok, wir brauchen noch Figuren für die älteren Kinder. Da wollten wir nicht bei den Hexen bleiben, sondern haben uns entschieden, zwei neue Figuren zu entwickeln – und ich denke mal, die Rollen von Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut sind uns auch „auf den Leib geschnitten“. Fräulein Vorlaut ist so eine besserwisserische Lehrerin, die immer Vorträge hält, und Miss Betterknower ist so eine elegante englische „Schnepfe“, die meint, sie wüsste alles besser. Ihre Qualitäten liegen aber mehr so im Bereich Mode und Anekdoten, während Fräulein Vorlaut den wissenschaftlichen Aspekt in alle Sachen reinbringt. Mit den beiden haben wir sehr viele Konzerte für Grundschüler erfunden und haben dann von Erwachsenen die Anfrage bekommen, ob wir nicht mit diesen Figuren auch etwas für die ältere Zielgruppe machen können. So ist die Idee entstanden „It’s Teatime“ anzubieten – ein sehr gut angenommenes Format, mit dem wir Freitagsnachmittags vor Premieren in die neue Operninszenierung einführen.

Ist es schwierig zwischen den Erwachsenen und den Kindern zu trennen?

Ich finde, wenn man mit einem Kind in die Veranstaltung „It’s Teatime“ kommt, dann sind da einfach viele Witze, die für die Erwachsenen relevanter sind. Wenn wir sehen, dass auch viele Kinder unter den Besuchern sind, versuchen wir schon auch darauf einzugehen. Aber man muss schon sagen, dass der Inhalt der Oper oder das Leben des Komponisten nicht so Sachen sind, die so spannend sind für die Kleinen – es sei denn, man bereitet sie speziell für die Kinder und ihren Erfahrungsschatz auf, wie wir es eben in den Formaten für Ihre Altersklassen tun. Übrigens: Wir versuchen immer, unsere Kinderstücke so aufzubereiten, dass alle Spaß daran haben – Kinder, Eltern und natürlich auch wir selbst.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das klappt ja auch sehr gut! 

Es macht auch immer sehr viel Spaß 🙂

Danke für das Interview – und grüßen Sie Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut!

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Miss Betterknower (Christina Clark) und Fräulein Vorlaut (Marie-Helen Joël)
 © Saad Hamza

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SERVICE:

Wer Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut live erleben möchte, findet ihre Auftrittstermine und Termine für weitere interessante Einführungsveranstaltungen und Führungen

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Autor
Johanna hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

Interview mit der Sängerin Elbenita Kajtazi

Elbenita Kajtazi ist seit der Spielzeit 2016/2017 Mitglied des Ensembles am Aalto-Musiktheater. In den letzten Monaten konnte man die junge kosovarische Sopranistin mehrfach auf der Bühne, unter anderem als Adina in „Der Liebestrank“, als Pamina in „Die Zauberflöte“ oder als Barbarina in ,,Die Hochzeit des Figaro“, erleben.

Mit 15 Jahren haben Sie angefangen das Ziel zu verfolgen Opernsängerin zu werden. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich habe schon sehr früh angefangen mich für Musik zu begeistern. Mit sieben Jahren hatte ich bereits mein erstes Kinderkonzert. Mit fünfzehn Jahren besuchte ich ein Musikgymnasium. Dort habe ich eine Aufnahme von Maria Callas gehört und sie wurde zu meinem Vorbild. Im Kosovo gibt es kein Opernhaus, deshalb habe ich mir viele Videos von Opern im Internet angeschaut. Nach der Schule studierte ich vier Jahre Gesang an der Universität in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo.

In der nächsten Spielzeit singen Sie viele spannende Rollen. Auf welche freuen Sie sich am meisten? Gibt es eine Rolle, die Sie besonders herausfordert?

Ich freue mich auf alles! Am meisten freue ich mich, dass ich Violetta in „La Traviata“ singen kann, da Violetta eine sehr anspruchsvolle Rolle ist. Zudem ist Gretel für mich eine spannende Rolle, die aufgrund des deutschen Textes und der darstellerischen Herausforderung für mich schwer zu lernen ist.

Wie bereiten Sie sich und Ihre Stimme auf eine Vorstellung vor?

Vor einer Vorstellung esse ich gut und schlafe sehr viel – mindestens zehn Stunden. Zudem verhalte ich mich sehr ruhig und versuche wenig zu sprechen.

Gibt es Dinge, auf die Sie wegen Ihres Berufes verzichten müssen?

Ja, man muss auch auf Vieles verzichten. Als Opernsängerin hat man kein „normales“ Leben. Ich bin oft alleine und habe wenig Zeit für meine Familie. Mein Mann lebt in Freiburg und wir sehen uns nur selten. Aber die Oper ist für mich wie eine Therapie. Der Applaus nach einer Vorstellung gibt einem ein großartiges Gefühl und der Grund dafür, dass ich auf Vieles gerne verzichte.

Sie habe schon oft auf der Bühne gestanden. Haben Sie trotzdem noch Lampenfieber?

Bei meiner ersten Vorstellung war ich so nervös, dass ich nie wieder auf die Bühne wollte. Mittlerweile ist es für mich normal und ich habe keine Angst mehr auf die Bühne zu gehen, sondern freue mich darauf.

Opern gibt es in vielen verschiedenen Sprachen. Fällt es Ihnen schwer auf anderen Sprachen zu singen?

Ich spreche Albanisch, Englisch, Italienisch und etwas Deutsch. (Anm. d. Red.: Deutsch spricht Elbenita Kajtazi sogar richtig gut!) Schwierigkeiten habe ich mit französischen Texten, da ich die Sprache noch nicht gut kenne. Es ist sehr interessant in unterschiedlichen Sprachen zu singen. Aber es braucht auch viel Zeit den Text zu übersetzen und gut zu verstehen.

Wie wichtig ist für Sie eine glaubwürdige Darstellung der Rollen, die Sie auf der Bühne spielen?

Eine glaubwürdige Darstellung ist für mich sehr wichtig, um Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen. Ich versuche alle Rollen sorgfältig zu studieren, indem ich mich frage, was die Person bei den verschiedenen Handlungen fühlt und denkt. Man kann nicht nur spielen es muss echt sein und das Ziel ist es, die „gespielte“ Figur zu sein.

Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit?

Mein Lieblingssänger ist im Moment Ed Sheeran. Ich höre eigentlich wenig Musik in meiner Freizeit, sondern lese lieber oder gucke viele Filme.

Wie gefällt es Ihnen hier am Aalto-Theater in Essen? Können Sie sich vorstellen noch länger hier zu bleiben?

Hier im Theater gefällt es mir sehr gut und ich werde für die nächste Zeit auf jeden Fall hier bleiben. Hier kann ich große Rollen ausprobieren und die Akustik sowie das Orchester sind großartig. Aber ich möchte später auch noch an vielen anderen Opernhäusern singen.

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Autoren:

Tabea macht ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet mit Lioba, die bereits im Oktober bei uns war und uns als Praktikantin nun wieder unterstützt, von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

Abgetaucht – Ich bin dann mal weg!

Die beiden Freundinnen Crizzy und Hexe Kleinlaut freuen sich schon auf ihren gemeinsamen Urlaub am Meer … Es gibt nur ein Problem: Hexe Kleinlaut leidet unter einer schrecklichen „Aquaphobie“. Die Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren helfen Crizzy dabei, Kleinlauts Angst vor dem Wasser zu überwinden.

„Wo der Spaß anfängt, da hört die Angst auf“

Bei uns wird der wasserscheuen Hexe mit Spiel, Spaß und Musik die Angst vor dem vielfältigen Element Wasser genommen! Oft ist uns gar nicht bewusst, wie oft wir Wasser in unserem Alltag begegnen. Gemeinsam entdecken die Kinder, wie unterschiedlich Wasser schmecken und aussehen kann. Wie Hexe Kleinlaut erfährt, kann Wasser nicht nur gefährlich sein, sondern ist lebenswichtig für alle Menschen, Tiere und Pflanzen auf unserem Planeten.

„Wasser kann auch klingen“

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Rauschende Wellen, prasselnder Regen oder ein tropfender Wasserhahn … Wasser klingt nicht immer gleich. Mit Wassertrommeln, die aus Kürbissen gebaut werden (Kalebasse) und mit Flaschenflöten kann sogar mit Wasser Musik gemacht werden. Mit einem Sound-Rätsel können sich die jungen Zuschauer aktiv am Geschehen beteiligen und ihre Lauscher auf die Probe stellen. Es wurden Klospülungen, plätschernde Seeufer, Wasserfälle und viele weitere Geräusche, die mit Wasser zu tun haben, vertauscht und erraten 🙂

Dann wollen Crizzy und Hexe Kleinlaut wissen, wie das Wasser eigentlich in den Himmel kommt … Mit einem Lied und einem Mitmach-Rap lernen die Kinder den Weg des Wassers von der Erde in den Himmel – und wieder zurück – kennen.

Dann ist es endlich so weit und Hexe Kleinlaut lernt Schwimmbewegungen!

Jetzt steht dem gemeinsamen Sommerurlaub von Crizzy und Hexe Kleinlaut nichts mehr im Weg und beide freuen sich darauf, sich im Meer, Badesee oder Freibad abzukühlen.

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Autoren:

Tabea macht ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet mit Lioba, die bereits im Oktober bei uns war und uns als Praktikantin nun wieder unterstützt, von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

Der Geruch des Theaters

(Wow! Da hat es aber jemandem Spaß bei uns gemacht 🙂 )

Sie alle verbindet eins: Die Liebe und Leidenschaft zum Theater, zur Oper, zur Musik, zum Tanz, zu den Künsten! Ganz verschiedene Menschen – mit besonderen Fähigkeiten und Interessen – kommen täglich im Aalto-Theater zusammen und werden eine Familie. Hier ist das „Du“ Normalität und es gibt keine Grenzen zwischen den einzelnen Abteilungen; nein, vielmehr Verbindungen und offene Türen. Es wird sich gegenseitig in den verschiedenen Büros besucht und auf den Fluren miteinander kommuniziert, um immer nah am Geschehen zu sein. So werden alle Mitarbeiter verschiedenster Abteilungen – künstlerischer oder nicht künstlerischer Natur – zu einer einzigen Arbeitsgruppe, die das Ziel perfekter Inszenierungen verbindet und stärkt.

Sobald man das Theater betritt, wird man in dessen Duft eingehüllt und ist wie in einer anderen Welt. Einer Welt, in der nicht der ständige Zwang von Realismus herrscht, sondern in der alles, was man sich vorstellen kann ermöglicht und zum Leben gebracht werden kann. Mit dem einzigen Ziel Menschen zu berühren und zu begeistern.

Man hat fast schon das Gefühl einige würden nicht nur in dieser Welt arbeiten, sondern vielmehr für diese Welt leben. Ja, hier lebt eine große Familie und einen starren Arbeitsalltag hat sie nicht. Jeder Tag ist anders, abwechslungsreich und spannend. Selbst als Praktikantin wird man sofort in diese Familie integriert und kann sich keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen. Doch auch flexibel muss man sein, denn die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und so müssen die Mitarbeiter auch abends und am Wochenende Vorstellungen über die Bühne bringen und proben, proben, proben. Das nehmen aber alle gerne in Kauf, da ihr Beruf gleichzeitig ihre Leidenschaft und ihr Hobby ist, in das sie all ihr Herzblut stecken.

Und wer einmal in diesen Duft des Theaters gehüllt worden ist, möchte ihn nicht mehr um sich herum missen, trägt ihn durch sein Leben und begeistert andere davon.

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Autor:

Jule hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum am Aalto-Theater gemacht und beim Ballett, bei der Dramaturgie und bei der Theaterpädagogik reingeschnuppert.

„Stars“ zu Gast im Hause Aalto

Wer als Kind im Publikum von Starlight Express gesessen hat, träumte mit Sicherheit selbst davon ein großartiger Rollschuhfahrer und begnadeter Sänger zu werden – so wie Andreas Wolfram, der unter anderem als „Elektra“ durch die Kurven raste und nun am Aalto-Theater gastiert. Auch Henrik Wager – ein weiterer Musical-Promi, bekannt aus Jesus Christ Superstar oder der Rocky Horror Show (zuletzt in Gelsenkirchen) – reist exklusiv aus Italien an. Neben Tim Hüning – einer der Hauptdarsteller von Ich war noch niemals in New York – ist auch Jana Stelley mit unter den Star-Gästen hier am Aalto-Musiktheater vertreten. Sie ist ebenfalls durch große Rollen verschiedener Musicals, wie zum Beispiel als „Glinda“ in Wicked, als „Frenchy“ in Grease oder als „Penny Pingleton“ Haispray, bekannt geworden.

Grund ihrer Anreise ist die Wiederaufnahme des Musicals „Die Märchenwelt zur Kur bestellt“. Als Musicaldarsteller schlüpfen Stelley („Froschprinzessin“), Hüning („tapferes Schneiderlein“), Wager („Kaiser ohne Kleider“) und Wolfram („Rumpelstilzchen“) in vier der Hauptrollen dieses Musicals, das nun die erste Wiederaufnahme – nach der erfolgreichen Premiere in der vergangenen Spielzeit – feiert. Die beiden anderen Hauptrollen der „Aschenputtel“ und des „Schneewittchens“ besetzen die Ensemblemitgliedern Christina Clark und Marie-Helen Joël. Letztere schrieb das Musical selbst, während ihr Mann die Musik dazu komponierte und arrangierte.

Was für ein Aufwand nötig ist bis es wirklich wieder auf der Bühne losgehen kann, glaubt mir nun sicher niemand! So muss das gesamte Stück in vielen Proben zunächst einmal wieder einstudiert werden. Es gibt musikalischen Proben, in denen unter Anleitung des musikalischen Leiters alle Lieder gesungen und die Sänger noch verbessert werden können. Dann gibt es szenische Proben, in denen das Stück wieder zusammengesetzt wird und sich jeder Darsteller genau merkt, wann er wie, wo oder was etwas tut. Zu guter Letzt geht es dann auf die Bühne, auf der auch noch einige Male geprobt wird, bis die Wiederaufnahme starten kann und das Publikum in den Zuschauerraum strömt. Wichtig dabei ist, dass alle Proben rechtzeitig angemeldet und Requisiten und Kostüme bestellt werden. Schließlich müssen alle Handgriffe genau sitzen, bevor die Vorstellung beginnt und das geht nur, wenn die Darsteller mit ihren Kostümen, den Requisiten und dem Bühnenbild vertraut sind.

Wenn ich jetzt sehe, was alles beachtet werden muss, um so ein Musical auf die Beine zu stellen, werde ich ganz blass vor Neid vor denen, die das beruflich machen! Es gibt hier wirklich viel zu erleben und es ist wahnsinnig spannend bei Proben und Vorstellungen zu sehen, was hinter den Kulissen alles abläuft und geschieht!

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Autor

Sarah studiert Grundschullehramt und macht in ihren Semesterferien ein vierwöchiges Praktikum in der Theaterpädagogik. Hier schreibt sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Zollverein – die schönste Zeche der Welt

„Glück auf“ hieß es am 20. Februar wieder einmal auf der Zeche Zollverein!

Hexe Kleinlaut sorgte mit ihrer Freundin Crizzy für gute Unterhaltung und mächtig viel Begeisterung bei Groß und Klein!

Zum Anlass der nun dreißigjährigen Schließung der schönsten Zeche der Welt wurde den Kindern zweier Gruppen mit je knapp 170 Personen ein musikalischer Einblick in die Welt unter Tage ermöglicht. Lernen konnten alle neugierigen Zuschauer etwas über Arbeitsabläufe auf einer Zeche, Gefahren tief unter der Erde oder die Entdeckung der Steinkohle bei uns im Pott. Auch spezifische Begriffe aus der Bergmannssprache konnte das junge Publikum in einem gemeinsamen Ratespiel kennenlernen – selbst den Großen unter uns waren vielleicht einige Begriffe unbekannt …

Durch verschiedene Songs zum Mitmachen, die größtenteils neu für dieses Programm komponiert worden sind, wurde es nie langweilig und am Ende durften – wie immer – alle Kinder ein Foto mit der beliebten Hexe und ihrer verrückten Freundin machen.

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Autor

Sarah studiert Grundschullehramt und macht in ihren Semesterferien ein vierwöchiges Praktikum in der Theaterpädagogik. Hier schreibt sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Stöbern im Aalto

Wer von euch hat es als Kind nicht geliebt, sich zu verkleiden und in die Rolle eines anderen zu schlüpfen? Zum Beispiel in die einer prunkvollen Prinzessin, eines tapferen Polizisten oder einer bösen Hexe. Für diese Zwecke durfte eine vollgepackte Verkleidungskiste natürlich nicht fehlen 🙂 Doch die Verkleidungskiste des Aalto-Theaters übertrifft mit Sicherheit alle eure Vorstellungen!

Im Aalto-Theater werden die Kostüme nämlich nicht einfach in ein paar Kisten, sondern im sogenannten Fundus gelagert (wovon es sogar mehrere gibt). Und um sich da auch gut orientieren zu können, sind die Kostüme nach bestimmten Kategorien geordnet: zum Beispiel nach Epochen oder Themen. Zusätzlich gibt es einzelne Kleiderstangen- und Schrankabteilungen für Nachtmode, Unterwäsche oder Oberhemden. Außerdem gibt es eine riesige Auswahl an Brillen, Hüten, Regenschirmen und Taschen.

 

Schuhe sind zudem in einem zusätzlichen Fundus gelagert. Ein wahres Schuhparadies! Ein Schuhliebhaber würde in diese „heiligen Hallen“ wahrscheinlich am liebsten einziehen 🙂

Auch die Schuhe werden nicht wild gesammelt, sondern sind ordentlich sortiert (nach Art, Farbe und Größe), sodass die entsprechenden Schuhe immer schnellstmöglich gefunden werden können.

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Autoren

Felicitas und Sophie machen ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und der Kostümabteilung und schreiben über ihre Erlebnisse am Aalto-Theater.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen…

… So geht es auch den großen Künstlern des Theaters!

Tänzer, Sänger, Musiker: sie alle müssen ihre Stücke gut einstudieren und proben, um auf der Bühne nichts zu vermasseln. Dabei kann es schnell passieren, dass man eine einzelne Szene oder Passage immer und immer wieder durchgeht, bis sie endgültig sitzt. Das nehmen die Künstler gern in Kauf und haben für gewöhnlich sogar Spaß dabei. Hauptsache das Publikum bekommt eine toll ausgearbeitete Vorstellung zu sehen und zu hören.

Wir hatten die Möglichkeit bei jeweils einer Ballett-, Orchester- und Opernprobe dabei zu sein.

Ballett

In der von uns besuchten Bühnenprobe wurde ein Tanzstück aus dem Ballett 3 By Ekman geprobt. Dieses besteht aus insgesamt drei Werken: ‚Flockwork‘, ‚Tuplet‘ und ‚Tyll‘. Wir hatten die Gelegenheit, uns die Probe von ‚Tyll‘ anzuschauen. ‚Tyll‘ lässt klassischen Spitzentanz auf modernen Witz und Videoleinwände treffen.

Nach einer kurzen Aufwärmung wurde dieser Teil ein komplett durchgetanzt. Danach korrigierte der Choreograph – bzw. derjenige, der die Choreographie mit den Tänzern einstudierte – einige Stellen und wiederholte diese mehrmals mit den Tänzern.

Auch wenn es keine Probe mit Maske und Kostüm war, trugen die Tänzerinnen Tutus, die lediglich bei Proben getragen werden aber nicht später bei Vorstellungen auf der Bühne. So können die Tänzerinnen sich bereits an die Form der Kostüme gewöhnen.

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Orchester

Wir haben die Probe des 6. Sinfoniekonzerts in der Philharmonie besucht: Die Tondichtung ‚Ein Heldenleben‘ von Richard Strauss, durch die man die verschiedenen Emotionen einer Heldengeschichte erlebt.

Zuerst spielte das Orchester die Sätze durch und „putzte“ dann – nach und nach – die Stellen, die dem Dirigenten noch nicht gefielen.

Nach der Pause probte ein Teil des Orchesters das Oboenkonzert von Bohuslav Martinů. Auch hier wurden noch Dinge verbessert, da zeitweise die Streicher beispielsweise zu laut waren und so das Oboensolo übertönten.

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© Saad Hamza

Oper

Im Rahmen der Probe Carmen von Georges Biszet, die wir auf einer der Probebühnen besuchten, wurden drei verschiedene Szenen mit der Darstellerin der Figur Micaëla geprobt.

Zu Beginn haben die Sänger ihre Texte gemeinsam durchgesprochen und daraufhin erklärte die Regieassistentin ihnen genau, was sie zu tun haben. Dazu gehört zum Beispiel: Wann bewegen sich die Sänger wohin? Welche Bewegungen müssen wie ausgeführt werden, damit bestimmte Emotionen unterstrichen werden?

Wir waren sehr überrascht, wie akribisch und detailliert die Künstler an einzelnen Handlungen arbeiten. Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie viele Dinge Sänger gleichzeitig beachten müssen: den Texte auswendig können, die Musik kennen, die Sprache beherrschen, die richtige Gestik und Mimik passend einsetzen.

Da es sich um eine Opernprobe handelte, wurden die Sänger natürlich musikalisch begleitet. Anstelle eines großen Orchesters hat ein Pianist für die instrumentale Begleitung gesorgt und hat – ebenso wie die Souffleurin – am Ende den Darstellern Korrekturen gegeben.

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© Matthias Jung

Die Proben waren zwar alle völlig verschieden doch in einer Sache gleichen sie sich alle: Es wird wiederholt und verbessert, bis das Ergebnis perfekt ist!

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Autoren

Felicitas und Sophie machen ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und der Kostümabteilung und schreiben über ihre Erlebnisse am Aalto-Theater.

 

Türen, Türen, Türen

Wo musste ich nochmal hin? Welche Tür sollte ich nehmen? Die sehen doch alle gleich aus…

Direkt am ersten Tag meines Praktikums wurde mir klar: Im Aalto-Theater gibt es Türen über Türen. Zig Varianten von Türen und letztendlich sehen doch fast alle gleich aus, wenn man vor Ihnen steht.

Will man das Gebäude über den Bühneneingang betreten, muss man erstmal drei Glastüren passieren, um allein nur bis zu den aushängenden Probenplänen zu gelangen. Hinzu kommen all die langen und gleich aussehenden Flure mit grauen Türen. Diese Türen sind nicht einfach nur links und rechts an jeder Seite des Flurs, sondern gefühlt an allen Ecken und Enden:

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Lediglich die Kennzeichnung der Treppenhaustüren fällt farbig aus (grün, gelb, blau und lila). Außerdem handelt es sich bei diesen Türen um schwere und sehr massive Brandschutztüren.

Neben den „normalen“ Türen, gibt es auch Aufzugtüren. Auch hier wieder für jedes Treppenhaus ein Aufzug in entsprechender Farbe und zusätzlich zwei Lastenaufzüge. Der verhältnismäßig kleine Lastenaufzug kann bis zu 3.200 kg transportieren und verfügt über zwei (circa 2,50m hohe) Schwenktüren. Der große Lastenaufzug schafft es, ganze 22.000 kg zu transportieren und ist mit acht Meter hohen Türen ausgestattet. Das heißt, dass in diesen Aufzug ein gesamter LKW hineinpasst.

Doch nicht nur die Türen dieses Lastenaufzugs sind so hoch, sondern auch die Brandschutztüren, die beispielsweise ermöglichen, dass Kulissen auf schnellstem Wege auf die Bühne gebracht werden können. Wobei es insbesondere auf der Bühnenebene viele verschiedenartige Türen gibt: Normalgroße, Extrabreite, Extrahohe, Brandschutztüren…

Zwar sind die Türen im Backstage-Bereich zahlreich, doch im Vorderhaus sind sie besonders spannend. Dort gibt es nämlich sowohl doppelte Türgriffe an den Eingangstüren, damit auch die kleinsten Besucher die Türen eigenständig öffnen können, als auch Türen zum Zuschauerraum, die mit Pferdehaar bespannt sind.

Ist man nur kurz am Aalto-Theater ist es nahezu unmöglich sich bei all den Türen zurechtzufinden, wenn auch einige Wegweiser im Hause zu finden sind, an denen man sich entlanghangeln kann.

Wie viele Türen es wohl insgesamt im Aalto-Theater gibt? Auf diese Frage hatte niemand eine Antwort für mich… Vielleicht ist das auch eines der großen Geheimnisse des Hauses 😉

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Autor
Luca macht ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet von seinen Erlebnissen am Aalto-Theater.

Feueralarm!

Bevor gestern die öffentliche Bühnenorchesterprobe von „Don Quichotte“ begann, wurden wir – die Zuschauer der Ballettprobe – vorgewarnt, dass wir im Anschluss an die Probe in eine Überraschung involviert sein würden. So saßen wir in gewisser Form vorbereitet, letztendlich aber doch nichtsahnend von dem, was wirklich auf uns zukommen würde, im Zuschauerraum und sahen gespannt der Probe zu und lauschten den Orchesterklängen.

Gegen 13.30 Uhr wurden dann Böller auf der linken Seitenbühne zum Knallen gebracht und mit einer Nebelmaschine wurde Qualm erzeugt. Über die Lautsprecher wurden die Gäste der öffentlichen Probe und alle Mitarbeiter des Theaters gebeten, das Gebäude zu verlassen. Gerade als wir den Zuschauerraum hinter uns ließen, konnten wir aus dem Augenwinkel noch sehen, wie der Eiserne Vorhang zugefahren wurde. Kurze Zeit nach der Räumung des Gebäudes trafen zahlreiche Feuerwehrautos mit Martinshorn und Blaulicht ein, sodass teilweise sogar Straßen gesperrt werden mussten. Kurz darauf kamen dann auch die Johanniter und die Polizei.

Draußen auf der Wiese vor dem Haupteingang klärte sich sehr schnell, dass es sich lediglich um einen Probealarm handelte, doch in Anbetracht dessen, was theoretisch geschehen könnte, sahen ein paar der versammelten Leute wirklich erschrocken aus.

Der Härtefall wurde bis ins kleinste Detail inszeniert und geprobt. Sogar die Presse war vor Ort und Sprecher des Theaters gaben Statements ab, es wurden Versorgungszelte aufgebaut und die Feuerwehr durchkämmte das Gebäude nach „Verletzten“. Die gab es nämlich, wenn auch natürlich nur geschminkt und bewusst in verschiedenen Räumlichkeiten des Hauses versteckt, damit diese von der Feuerwehr gesucht, gerettet und von den Johannitern verarztet werden konnten.

Das ganze Szenario dauerte gute eineinhalb Stunden, die wir seelenruhig abwarten mussten, bis wir letztendlich zurück an unsere Arbeitsplätze konnten – wenn auch gestärkt mit ausgegebenen Trinkpäckchen der Johanniter 🙂

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Autor
Luca macht ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet von seinen Erlebnissen am Aalto-Theater.