Interview mit der Sängerin Christina Clark

Christina Clark ist Opernsängerin am Aalto-Theater. Sie singt nicht nur in Opern, sondern singt und spielt (unter anderem) auch bei „Hexe Kleinlaut“-Produktionen, der „Teatime“ oder der Musical-Revue „Yesterdate“ mit.

Wie und warum sind Sie an die Oper gekommen?

Ich habe in Amerika Gesang studiert und wollte Opernsängerin werden. Und dann bin ich guten Weges nach Deutschland gekommen und habe dann hier vorgesungen, weil hier eine Stelle frei war. Die Frau, die hier gearbeitet hat war schwanger, daher war ich am Anfang eine Schwangerschaftsvertretung. Und dann bin ich hier geblieben.

Wann haben Sie angefangen im Aalto-Theater zu arbeiten?

Vor über 20 Jahren habe ich hier angefangen.

Wollten Sie schon immer Sängerin werden oder wollten Sie auch mal was anderes werden?

Als ich klein war wollte ich, dass mich meine Eltern nach Hollywood fahren und wollte ein Movie Star werden. Tja, das haben sie nicht gemacht. Ich war sehr enttäuscht (Hahahahaha). Singen wollte ich aber schon lange! Dass ich Opern singen wollte – dieser Wunsch kam erst durch meine erste richtige Gesangslehrerin auf. Da war ich dann schon 16 oder 17 Jahre alt.

Was hat Sie dazu gebracht bzw. inspiriert Opernsängerin zu werden?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass das meine erste Gesangslehrerin war, die mich in diese Richtung gelenkt hat, weil sie selbst Opernsängerin war. Wenn ich jemand anderes gehabt hätte, dann wäre ich womöglich in eine andere Richtung gegangen. Vor meinem 18. Lebensjahr hatte ich tatsächlich noch keine Oper gesehen. 

Gibt es Bereiche in denen Ihr Beruf Sie einschränkt?

Ja, denn meine Arbeitszeiten sind ziemlich speziell. Wir arbeiten immer vormittags von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr und dann abends von 18:00 Uhr bis maximal 22:00 Uhr und das ist nicht besonders familienfreundlich.

Was waren bis jetzt Ihre Lieblingspartien, die Sie auf der Bühne gesungen haben?

Das ist eine sehr schwierige Frage… Ich weiß nicht, ob ich es nur auf eine Rolle reduzieren könnte. Ich habe meistens das Glück, dass das, was ich in dem Moment mache, zeitgleich in dem Moment auch meistens mein Lieblingsstück ist. Aber auf eine Rolle, auf die ich sehr gerne zurückblicke, ist die Partie der Susanna aus „Le Nozze di Figaro“ (Die Hochzeit des Figaro). Das ist eine unglaublich tolle Rolle für mein Stimmfach, weil die Figur eine Wandlung durchmacht. Sie ist sehr vielseitig: Sie ist echt, klug, lustig. Sowas mag ich total gerne.

Fällt es Ihnen schwer, Opern auf anderen Sprachen zu singen?

Die meisten Opern sind in italienischer, englischer, deutscher oder französischer Sprache. Wenn es aber eine Sprache ist, zu der ich keinen Bezug habe, dann fällt mir das schon ein bisschen schwer. Wenn wir zum Beispiel ein Stück auf in tschechischer Sprache machen – was auch schon öfters vorgekommen ist – fällt mir das schon schwer, weil ich zu dieser Sprache keinen Bezug habe.

Sie haben ja schon oft auf Bühnen gestanden. Sind Sie vor Vorstellungen trotzdem noch nervös?

Ich bin tatsächlich viel weniger nervös als am Anfang, aber es gibt Rollen, vor denen ich nervös bin oder großen Respekt habe. Und meistens habe ich so eine positive Aufregung, die immer da ist – Die braucht man ja auch.

Was macht Ihnen in Ihrem Job am meisten Spaß?

Ich liebe Musik und ich liebe auf jeden Fall diese Kombi aus Musik und Spiel. Und auch dieses ganze Drumherum: Kostüm, Maske, Licht… Ich finde das alles total spannend. Das wird auch nach all den Jahren nicht langweilig.

Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit?

Ab und zu höre ich klassische Musik – inklusive Opern – aber nicht so oft. Ansonsten höre ich wahnsinnig gerne Jazz oder R&B.

Und was würden Sie den Leser*innen gegen Lampenfieber empfehlen?

Das beste Mittel ist gute Vorbereitung. Das ist das A und O. Wenn du gut vorbereitet bist, dann kannst du trotzdem Lampenfieber haben, es sollte aber nichts schief gehen.

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Autor:

Ciara hat ein dreiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater. Außerdem ist sie Teilnehmerin des Szenen-Workshops im Rahmen des Schulprojekts AkzepTANZ.

Interview mit der Kostümassistentin Amelie Albrecht

Amelie Albrecht ist seit circa sechs Jahren als Kostümassistentin am Aalto-Theater tätig. Zu ihren bisher betreuten Produktionen gehören unter anderem „Norma“, „Lohengrin“ und „Il Trittico“. Ihr Büro befindet sich auf der fünften Etage des Aalto-Theaters in der Kostümabteilung.

Was sind deine Aufgaben als Kostümassistentin am Aalto-Theater?

Ich sag immer so „Ich bin das kreative Mädchen für alles“. Als Kostümassistentin übernehme ich (im Wechsel mit meiner Kollegin) eine Opern- oder Ballettproduktion mit einer Produktionsleitung aus unserer Abteilung. Die Produktionsleitung bestellt dann zum Beispiel Stoffe oder spricht Termine mit den jeweiligen Kostümbildnern ab. Wir Kostümassistentinnen gucken dann schonmal, ob zum Beispiel Stoffe eingefärbt werden müssen, was bearbeitet oder eingekauft werden muss. Hauptsächlich sind meine Aufgaben im kreativen Bereich. Ich arbeite aber natürlich auch manchmal am Computer. Wir bereiten sozusagen das ganze Stück vor und geben es dann in der Hauptprobenwoche an die Ankleider*innen ab und erklären denen, wer was und wann anzieht usw.

Ist das ein Beruf, den du dir als junges Mädchen für dich schon vorgestellt hast?

Ne, eigentlich nicht. Ich wusste gar nicht, dass es den Beruf gibt. Ich wollte immer schon was Kreatives machen aber ich wusste nicht, dass es solche Jobs im Theater gibt. Ich habe erstmal mein Abitur gemacht und bin dann zur privaten Modeschule nach Düsseldorf gegangen. Dort habe ich drei Jahre lang eine Ausbildung zur Modedesignerin gemacht. Dann habe ich allerdings irgendwann gemerkt, dass der kreative Prozess, den ich in der Modeschule gelernt habe, bei den meisten Klamottenlabels nur am Computer stattfindet. Eine Freundin hat mir vorgeschlagen, dass ein Job in einer Kostümabteilung am Theater eine Überlegung wert sei und dann hab ich mir gedacht, dass das eigentlich eine gute Idee wäre… In einem Onlineportal habe ich eine Ausschreibung für ein Jahrespraktikum am Aalto-Theater gefunden und habe mich darauf beworben – und wurde genommen. Das hat mir dann hier richtig Spaß gemacht, weil man auch viel mit anderen Bereichen aus dem Theater zusammen- und intensiv kreativ arbeitet. Nach dem Praktikum hab ich erstmal viele unterschiedliche Jobs gemacht und konnte mir auch viele Bereiche angucken. Allerdings habe mich immer so von Monat zu Monat gehangelt – und dann hat mich irgendwann die damalige stellvertretende Kostümdirektorin angerufen und mich gefragt, ob ich hier als Schwangerschaftsvertretung einsteigen würde. Das hab ich gemacht und im Anschluss eine feste Stelle bekommen. Ich bin auf jeden Fall ziemlich happy, dass ich das gemacht habe und hier an dem Haus bleiben konnte und so nette Kollegen habe!

Du hast ja schon bei einigen Stücken als Kostümassistentin mitgearbeitet. Wie lange braucht man ungefähr, damit die Kostüme für eine Produktion fertig sind?

Wir rechnen immer mit ungefähr einem Jahr . Wir fangen ein Jahr vor einer Premiere schon mit den Planungen an und stellen Kontakt zu den Kostümbildner*innen her. Anfangs gibt es dann eine Kostümabgabe, bei der die Kostümbildner*innen erklären, was für Kostüme die jeweiligen Figuren tragen sollen. So können schonmal Stoffe oder andere Dinge, die man benötigt, bestellt werden. Daraufhin werden die Kostümteile, die fertig besprochen sind, in der Schneiderei angefertigt, oder es werden noch Teile aus dem Fundus rausgesucht, die man für die Produktion gebrauchen kann. Wenn ein Kostüm „fertig“ ist, gibt es dann so drei bis vier Anproben für die jeweiligen Künstler*innen – bis das Kostüm perfekt sitzt. Die Proben starten für gewöhnlich sechs Wochen vor der Premiere. Bis zur KHP (Klavierhauptprobe) sollten alle Kostüme fertig sein. Diese findet meist eine knappe Woche vor der Premiere statt.

Und wo werden all die Kostüme gelagert?

Es gibt Fundus im Aalto- und Grillo-Theater, in denen die Kostüme hängen, die zur „freien“ Verfügung stehen. Kostümteile, die in festen Stücken sind, sind auf fertig gepackten Ständern gelagert und stehen im Abendfundus oder in Rollschränken, die auf mehreren Etagen zu finden sind. Wenn ein Stück zum Beispiel für eine längere Zeit nicht gespielt wird aber noch nicht abgespielt ist, dann sind die Kostüme für dieses Stück bei uns im Keller eingelagert. Dafür stehen vier weitere Räume zur Verfügung.

Welche unterschiedlichen Berufe gibt es in der Kostümabteilung?

Es gibt zwei Kostümassistentinnen, dann gibt es die Produktionsleitungen und die Direktion der Kostümabteilung. Für eine Produktion gibt es immer ein Team aus einem*r Produktionsleiter*in und einer Kostümassistentin, die den Kostümbereich für das Stück leiten und betreuen. Es gibt natürlich die Ankleider*innen, die abends die Vorstellungen betreuen und den Darsteller*innen mit den Kostümen helfen und Kostüme wieder aufarbeiten (waschen, bügeln etc.). Außerdem gibt es noch die Schneider*innen in der Damen- und der Herrenschneiderei, die Gewandmeister*innen, die noch eine spezialisierte Weiterbildung haben, und es gibt noch einen Schuhmacher.

Was passiert mit den Kostümen, die nicht mehr benötigt werden?

Wenn ein Stück abgespielt ist, bekommen wir eine Nachricht vom Intendanten und dann kommen die Kostüme einfach in den Fundus, wo sie für andere Stücke wiederverwertet werden. Wenn der Fundus aus allen Nähten platzt, wird auch schonmal aussortiert.

Muss wirklich jedes Kostüm an jede*n Sänger*in oder Tänzer*in angepasst werden oder werden manche auch einheitlich produziert? 

Jeder, der auf der Bühne steht, kommt zu Anprobe. Manchmal sogar Tiere! Jede*r bekommt ein persönlich auf sie*ihn angepasstes Kostüm. Die Solist*innen und der Chor kommen zu uns, manchmal auch der Extrachor, die Statist*innen, der Kinderchor und mitunter gibt es auch noch externe Musiker*innen, Solist*innen oder Schauspieler*innen. Wir probieren tatsächlich jeden an. Wenn beispielsweise 300 Leute auf der Bühne stehen haben wir circa 300 bis 500 Anproben. Meistens fangen wir dann mit den Chorsänger*innen an, weil es sehr viele sind. Und dann kommen die Solist*innen, weil man bei denen oft auf noch mehr Details achten muss.

Als letzte Frage kommt jetzt noch eine Schätzfrage. Wie viel Kostüme habt ihr ungefähr?

Das ist eine gute Frage – Kann ich gar nicht sagen… Aber es sind auf jeden Fall unglaublich viele, bestimmt über 10.000!

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Autor:

Adreana hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

Wie wird man eigentlich Fräulein Vorlaut, Marie-Helen Joël?

Nicht nur den Stadtgarten hat sie von ihrem Büro in der sechsten Etage des Aalto-Theaters gut im Blick. Auch weiß sie immer, wie man die Menschen begeistern kann – egal welche Oper und welche Altersklasse es betrifft. Marie-Helen Joël, seit der Spielzeit 1993/1994 als Sängerin an der Essener Bühne engagiert, ist seit 2011 zugleich auch die Leiterin der Theaterpädagogik. Nach den erfolgreichen Jugendprogrammen wie „Rockin’ the stage“ und dem Familienmusical “Die Märchenwelt zur Kur bestellt“ inszeniert die gebürtige Aachenerin in der kommenden Spielzeit die Oper ”Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, in der sie auch selbst als Mutter zu sehen sein wird. Nicht nur in diese Rolle schlüpft die verwandlungsfähige Sängerin und Theaterpädagogin – auch Fräulein Vorlaut und Hexe Kleinlaut, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Welt der Opern in eigenen Formaten näher bringen, stecken in ihr drin. Wie kommt man zu einem so vielfältigen Job? Johanna Renner hat während ihres zweiwöchigen Schülerpraktikums bei Marie-Helen Joël nachgefragt. 

MH und Johanna

Marie-Helen und Johanna im Büro der Theaterpädagogik

Frau Joël, Sie singen, Sie schauspielern, Sie konzipieren, Sie organisieren, Sie lehren – wie kommt man zu einem so abwechslungsreichen Job im Theater?

Ich habe erst Schulmusik gemacht, weil ich immer schon gerne mit Menschen zusammen gearbeitet oder mich ausgetauscht habe. Bei dem Schulmusikstudium habe ich dann gemerkt, dass ich sehr gut singen kann. Ich habe mich dann entschlossen, noch ein Aufbaustudium für Gesang nach dem Abschluss des Schulmusikstudiums anzuhängen. Nach dem Studium habe ich dann zunächst zwei Jahre musikalische Früherziehung mit Kindern gemacht, dann aber eine Stelle an der Oper in Bonn bekommen. Dort hab ich dann wirklich erst nur als Sängerin gearbeitet. Ich hatte mich damals bewusst gegen den Schuldienst entschieden und wollte in diesen pädagogischen Bereich auch erst mal nicht mehr rein. Als ich dann ziemlich viel im Solobereich gemacht habe, auch hier in Essen später, habe ich aber gemerkt, dass ich irgendwie wieder den Weg zurück und mit Menschen gerne Sachen erarbeiten und ihnen Musik vermitteln möchte. Und so bin ich dann eben auf die Idee gekommen: In der Musikhochschule in Detmold gibt es einen Masterstudiengang für Musikvermittlung und Konzertpädagogik – und dann habe ich das studiert und den Master gemacht.

Und wie sind Sie dann nach Essen gekommen?

Es kam in der Zeit dann gerade genau aus, dass hier in Essen eine Stelle als Theaterpädagoge am Aalto-Theater frei wurde – die Chance habe ich dann genutzt. Jetzt bin eben in einer Doppelfunktion als Sängerin und Theaterpädagogin hier im Haus tätig. Und das ist eigentlich das Tolle: Ich musste mich nicht entscheiden, ob ich lieber singe oder lieber Theaterpädagogin bin – ich darf jetzt beides machen.

Was sind denn so die Aufgaben eines Theaterpädagogen?

Oh (muss lachen), die sind wirklich sehr vielfältig. Man kann sie sich ein bisschen selber definieren. Die Grundaufgabe eines Theaterpädagogen ist natürlich die Kunstform, in unserem Fall der Oper, zu vermitteln – egal ob Kindern, Erwachsenen oder Jugendlichen. Einfach den Zugang zu vermitteln: Welche Geschichte erzählt die Oper, was hat der Komponist sich dabei gedacht, in welcher Zeit ist sie entstanden – all solche Dinge. Hier in unserer Abteilung machen wir das in der Form, dass wir sehr viele Konzerte anbieten für unterschiedliche Altersklassen. Das haben wir unterschiedlich gestaffelt: für 3-6-Jährige, für 6-10-Jährige und für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren. Auch für Erwachsene haben wir einige Angebote:  Da gibt es manchmal die Konzertform und manchmal mehr so eine Art Gesprächsrunde. Wir haben da verschiedene Formate.

Und was macht am meisten Spaß davon?

Das ist eine gute Frage…kann ich eigentlich gar nicht sagen. Mir macht alles Spaß, vor allem in dem Moment wo ich in einem Projekt drin stecke. Vorher denke ich oft: „Oh, noch die ganze Arbeit“, aber wenn ich es dann mache, ist es eigentlich immer super. Das hab ich nur ganz selten, dass mir da etwas nicht gefällt.

Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut, die von ihrer Kollegin Christina Clark und Ihnen verkörpert werden, sind am Aalto-Theater ja längst feste Größen. Wie kam die Idee zu diesen beiden Figuren zustande?

Vor bestimmt 10 Jahren haben Christina Clark und ich zwei Hexen erfunden: die Hexe Kleinlaut und ihre Freundin Crizzy. Das war für 3-6-Jährige, wobei wir kleine Opernformate gemacht haben. Dann haben wir festgestellt, dass das bei den Kindern super ankommt und gedacht: Ok, wir brauchen noch Figuren für die älteren Kinder. Da wollten wir nicht bei den Hexen bleiben, sondern haben uns entschieden, zwei neue Figuren zu entwickeln – und ich denke mal, die Rollen von Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut sind uns auch „auf den Leib geschnitten“. Fräulein Vorlaut ist so eine besserwisserische Lehrerin, die immer Vorträge hält, und Miss Betterknower ist so eine elegante englische „Schnepfe“, die meint, sie wüsste alles besser. Ihre Qualitäten liegen aber mehr so im Bereich Mode und Anekdoten, während Fräulein Vorlaut den wissenschaftlichen Aspekt in alle Sachen reinbringt. Mit den beiden haben wir sehr viele Konzerte für Grundschüler erfunden und haben dann von Erwachsenen die Anfrage bekommen, ob wir nicht mit diesen Figuren auch etwas für die ältere Zielgruppe machen können. So ist die Idee entstanden „It’s Teatime“ anzubieten – ein sehr gut angenommenes Format, mit dem wir Freitagsnachmittags vor Premieren in die neue Operninszenierung einführen.

Ist es schwierig zwischen den Erwachsenen und den Kindern zu trennen?

Ich finde, wenn man mit einem Kind in die Veranstaltung „It’s Teatime“ kommt, dann sind da einfach viele Witze, die für die Erwachsenen relevanter sind. Wenn wir sehen, dass auch viele Kinder unter den Besuchern sind, versuchen wir schon auch darauf einzugehen. Aber man muss schon sagen, dass der Inhalt der Oper oder das Leben des Komponisten nicht so Sachen sind, die so spannend sind für die Kleinen – es sei denn, man bereitet sie speziell für die Kinder und ihren Erfahrungsschatz auf, wie wir es eben in den Formaten für Ihre Altersklassen tun. Übrigens: Wir versuchen immer, unsere Kinderstücke so aufzubereiten, dass alle Spaß daran haben – Kinder, Eltern und natürlich auch wir selbst.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das klappt ja auch sehr gut! 

Es macht auch immer sehr viel Spaß 🙂

Danke für das Interview – und grüßen Sie Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut!

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Miss Betterknower (Christina Clark) und Fräulein Vorlaut (Marie-Helen Joël)
 © Saad Hamza

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SERVICE:

Wer Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut live erleben möchte, findet ihre Auftrittstermine und Termine für weitere interessante Einführungsveranstaltungen und Führungen

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Autor
Johanna hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

Interview mit der Sängerin Elbenita Kajtazi

Elbenita Kajtazi ist seit der Spielzeit 2016/2017 Mitglied des Ensembles am Aalto-Musiktheater. In den letzten Monaten konnte man die junge kosovarische Sopranistin mehrfach auf der Bühne, unter anderem als Adina in „Der Liebestrank“, als Pamina in „Die Zauberflöte“ oder als Barbarina in ,,Die Hochzeit des Figaro“, erleben.

Mit 15 Jahren haben Sie angefangen das Ziel zu verfolgen Opernsängerin zu werden. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich habe schon sehr früh angefangen mich für Musik zu begeistern. Mit sieben Jahren hatte ich bereits mein erstes Kinderkonzert. Mit fünfzehn Jahren besuchte ich ein Musikgymnasium. Dort habe ich eine Aufnahme von Maria Callas gehört und sie wurde zu meinem Vorbild. Im Kosovo gibt es kein Opernhaus, deshalb habe ich mir viele Videos von Opern im Internet angeschaut. Nach der Schule studierte ich vier Jahre Gesang an der Universität in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo.

In der nächsten Spielzeit singen Sie viele spannende Rollen. Auf welche freuen Sie sich am meisten? Gibt es eine Rolle, die Sie besonders herausfordert?

Ich freue mich auf alles! Am meisten freue ich mich, dass ich Violetta in „La Traviata“ singen kann, da Violetta eine sehr anspruchsvolle Rolle ist. Zudem ist Gretel für mich eine spannende Rolle, die aufgrund des deutschen Textes und der darstellerischen Herausforderung für mich schwer zu lernen ist.

Wie bereiten Sie sich und Ihre Stimme auf eine Vorstellung vor?

Vor einer Vorstellung esse ich gut und schlafe sehr viel – mindestens zehn Stunden. Zudem verhalte ich mich sehr ruhig und versuche wenig zu sprechen.

Gibt es Dinge, auf die Sie wegen Ihres Berufes verzichten müssen?

Ja, man muss auch auf Vieles verzichten. Als Opernsängerin hat man kein „normales“ Leben. Ich bin oft alleine und habe wenig Zeit für meine Familie. Mein Mann lebt in Freiburg und wir sehen uns nur selten. Aber die Oper ist für mich wie eine Therapie. Der Applaus nach einer Vorstellung gibt einem ein großartiges Gefühl und der Grund dafür, dass ich auf Vieles gerne verzichte.

Sie habe schon oft auf der Bühne gestanden. Haben Sie trotzdem noch Lampenfieber?

Bei meiner ersten Vorstellung war ich so nervös, dass ich nie wieder auf die Bühne wollte. Mittlerweile ist es für mich normal und ich habe keine Angst mehr auf die Bühne zu gehen, sondern freue mich darauf.

Opern gibt es in vielen verschiedenen Sprachen. Fällt es Ihnen schwer auf anderen Sprachen zu singen?

Ich spreche Albanisch, Englisch, Italienisch und etwas Deutsch. (Anm. d. Red.: Deutsch spricht Elbenita Kajtazi sogar richtig gut!) Schwierigkeiten habe ich mit französischen Texten, da ich die Sprache noch nicht gut kenne. Es ist sehr interessant in unterschiedlichen Sprachen zu singen. Aber es braucht auch viel Zeit den Text zu übersetzen und gut zu verstehen.

Wie wichtig ist für Sie eine glaubwürdige Darstellung der Rollen, die Sie auf der Bühne spielen?

Eine glaubwürdige Darstellung ist für mich sehr wichtig, um Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen. Ich versuche alle Rollen sorgfältig zu studieren, indem ich mich frage, was die Person bei den verschiedenen Handlungen fühlt und denkt. Man kann nicht nur spielen es muss echt sein und das Ziel ist es, die „gespielte“ Figur zu sein.

Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit?

Mein Lieblingssänger ist im Moment Ed Sheeran. Ich höre eigentlich wenig Musik in meiner Freizeit, sondern lese lieber oder gucke viele Filme.

Wie gefällt es Ihnen hier am Aalto-Theater in Essen? Können Sie sich vorstellen noch länger hier zu bleiben?

Hier im Theater gefällt es mir sehr gut und ich werde für die nächste Zeit auf jeden Fall hier bleiben. Hier kann ich große Rollen ausprobieren und die Akustik sowie das Orchester sind großartig. Aber ich möchte später auch noch an vielen anderen Opernhäusern singen.

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Autoren:

Tabea macht ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet mit Lioba, die bereits im Oktober bei uns war und uns als Praktikantin nun wieder unterstützt, von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.