Vorbereitung ist doch keine Arbeit

Meist werden Vorbereitungen oder die Arbeit, die hinter Details liegen, von Außenstehenden gar nicht wahrgenommen. Doch auch Dinge wie Dekoration sind aufwendig und können eine gemütliche Atmosphäre erzeugen: So, dass das Publikum sich beispielsweise wohlfühlt. Auch Kleinigkeiten nehmen oft viel Zeit in Anspruch.

Dekoration für Hexe Kleinlaut
Vorstellungen mit Hexe Kleinlaut sind ein knapp einstündiges Unterhaltungsprogramm, für Kinder. Dafür muss einiges vorbereitet werden. Neben den Darstellern, die ihren Text lernen, den Technikern, die für Ton und Licht sorgen und den Maskenbildnern, die die Darsteller in einen neuen Charakter verwandeln, müssen auch Deko-Elemente für die Kulisse angefertigt werden.
Für das Karnevals-Programm von Hexe Kleinlaut wurden Clowns aus Papptellern aufgepeppt und gebastelt. Außerdem wurden Tiere des Bauernhofes wurden für das Kinderprogramm gezeichnet und bunt gestaltet.

Vorbereitung der Zeichnungen
1. Bilder der gewünschten Tiere aus dem Internet suchen
2. Zeichenart aussuchen, dass alle Bilder einen ähnlichen Zeichenstil haben
3. Skizzen vorzeichnen
4. Skizzen ausbessern, Proportionen anpassen
5. Mit wenigen Strichen originalgroß vorzeichnen
6. Nachzeichnen bzw. Kopie anfertigen
7. Farben anhand der Skizze ausprobieren bzw. aussortieren
8. Farbig malen
9. Schattieren
10. Aufkleben

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Autor

Michelle absolviert ein dreiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

Was zeichnet das Aalto-Musiktheater aus?

Immer wieder lassen sich die Zuschauer von aufgeführten Stücken mitreißen und begeistern. Doch die Harmonie einer Aufführung funktioniert nur durch das offene und soziale Miteinander der Kollegen.Ich durfte einen Einblick hinter die Kulissen erhalten und die Menschen näher kennenlernen. Angefangen bei den Pförtnern, die jeden Tag ein motivierendes „Guten Morgen“ und ein freundliches Lächeln für mich hatten.

Das Verirren im Gebäude hat für mich zur Normalität gehört, aber tatsächlich finde ich den Weg zur großen Probebühne mittlerweile. (Anm. d Red.: Lya hat sich in Wahrheit von Anfang an in unserem Haus so schnell, wie kaum jemand zuvor, zurechtgefunden :-))
Dort durfte ich dann die Proben des neuen Bühnenstücks „Yesterdate“ begleiten.
Geduld war eine der wichtigsten Stärken der Mitwirkenden, vor allem bei dem Ausarbeiten von einzelnen Szenen. Gearbeitet wurde hierbei mit Präzision und Ehrgeiz, selbstständiges Einbringen und Zielstrebigkeit führten zu produktiven Ergebnissen. Mit Humor und Lockerheit machte allein das Zusehen großen Spaß.

Es gab keinerlei Befehle oder Anweisungen, jeder hatte ein Recht auf Mitsprache und Verbesserungsvorschläge. Diskussionen ließen sich natürlich nicht vermeiden, wenn die Meinungen mal auseinandergingen, aber letztendlich nannte sich die Gruppe demokratisch. (Anm. d. Red.: das letzte Wort hat trotzdem immer die Regie ;-))
Die Kollegen haben es kontinuierlich geschafft eine warme Atmosphäre zu erzeugen, in der man sich automatisch wohlfühlt, es lässt sich erkennen, wie viel Zeit und Liebe in die Arbeit gesteckt wird.

Ein rücksichtsvoller Umgang miteinander und Vertrautheit, die teilweise auf langer Zusammenarbeit basiert, sind wichtige Punkte, die in jedem Fall an den Tag gelegt werden.
Theater ist ein Gerüst aus vielen Bereichen, alles hängt zusammen und baut aufeinander auf. Theater heißt Familie, man wird von allen Seiten unterstützt, lernt neue Menschen kennen und wächst zusammen.
Große Anstrengung und, dass kein Aufwand gescheut wird, führt zu großartigen Ergebnissen und machen das Aalto-Musiktheater zu dem, was es heute ist … ein kreativer Ort an dem in der Menge jeder einzelne unverzichtbar ist und wertgeschätzt wird.

(Anm. d. Red.: Wir sind völlig gerührt, wie unsere Probenarbeit auf einen zweiwöchigen Gast wirkt. Wenn man jeden Tag zusammen arbeitet, sind einem die beschriebenen Dinge gar nicht immer bewusst – umso schöner, dass Lya einen so herzlichen Eindruck von unserer Probenarbeit bekommen hat.)

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Autor

Lya absolviert ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

Ein bisschen proben und fertig ist die Oper?!

Wenn man in einer Opernaufführung sitzt, denkt man nicht, wie viel Arbeit hinter einer Opernproduktion steckt. Gut, die Künstler werden ein bisschen proben, denkt man, und irgendjemand wird sich auch ums Bühnenbild und die Kostüme kümmern.
Aber wie lange dauert es wirklich, bis eine Produktion es auf die Bühne schafft?
In meiner Praktikumszeit hat die Premiere der Oper „Medea“ von Aribert Reimann stattgefunden, die erst 2010 in Wien uraufgeführt wurde und daher für fast alle SängerInnen noch unbekannt war. Lediglich die Darstellerin der Medea hat diese Partie bereits vorher in Frankfurt und Wien gesungen und kam extra für diese Oper an das Aalto-Theater.

Anderthalb bis zwei Jahre vor der Premiere wird beschlossen, dass eine Oper am Aalto-Theater aufgeführt werden soll. Für die Oper Medea bedeutet das, dass erste Planungen bereits im Jahr 2017 begannen. Es wird ein Konzept entwickelt und die entsprechenden Darsteller für die Rollen ausgewählt. Außerdem wird das Bühnenbild entworfen. Der Bühnenbildner baut ein Modell von diesem, woraufhin die Werkstätten schauen, inwiefern die Idee verwirklicht werden kann und welches Budget dafür verwendet werden muss. Nach dem Modell wird dann das Bühnenbild gebaut. All diese Aspekte werden bereits ein Jahr vor der Premiere bearbeitet.
Da Medea eine moderne Oper ist, die im Repertoire der meisten Darsteller noch nicht vorhanden ist, begannen bereits vor der Sommerpause erste Proben mit den Solisten und den Korrepetitoren. Diese üben mit den Solisten ihre Partie, damit sie diese bei den Endproben sicher beherrschen.

Sechs Wochen vor der Premiere beginnen die eigentlichen Proben. Dazu findet zunächst ein Konzeptionsgespräch mit dem Regieteam, dem Intendanten und den Darstellern statt, bei welchem das Regiekonzept erläutert wird. Ab diesem Zeitpunkt finden die Proben auf der großen Probebühne statt, zunächst noch in provisorischen Kostümen und Bühnenbildern.

In den zwei Wochen vor der Premiere konzentrieren sich die Aufgaben dann auf die Endproben mit allen künstlerisch Beteiligten auf der großen Bühne. Nachdem zunächst die Proben mit den Solisten, gegebenenfalls mit dem Chor, dem Regisseur, dem Souffleur sowie einem Pianisten stattfinden, beginnen die Proben mit dem Orchester. Jetzt tragen die Darsteller auch ihre Kostüme, das vollständige Bühnenbild ist auf der Bühne. Zur Klavierhauptprobe und Orchesterhauptprobe, spätestens aber zur Generalprobe fügen sich die Einzelstücke zusammen und man sieht das Ergebnis der vielschichtigen und langen Arbeit vieler Beteiligter, welches die Zuschauer dann bei der Premiere auf der Bühne bewundern können.

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Autor
Lena ist Studentin und absolviert ein dreiwöchiges Praktikum in der Theaterpädagogik und berichtet von ihren Eindrücken am Aalto-Theater.

Sitze ich jetzt gerade in einer BO, OHP oder doch in einer GP?

Schon während der ersten Tage meines Praktikums habe ich gelernt, dass im Theater nichts ohne Abkürzungen läuft. Alle werfen mit Begriffen wie OHP, GP, oder BP um sich und man steht dazwischen und fragt sich nur, wovon diese Leute gerade um Himmels Willen reden.

Zum Glück wurden mir dann eine ganze Reihe solcher Abkürzungen erklärt. KHP ist die Abkürzung für Klavierhauptprobe. Da wird das erste Mal das gesamte Stück im Ablauf mit Kostüm, Maske und Licht auf der Bühne geprobt – ohne Orchester aber mit Klavier. Unter OHP versteht man Orchesterhauptprobe, die auf der Bühne mit allen Darstellern, Kostümen, der Maske und natürlich dem Orchester auch noch Unterbrechungen beinhaltet, wenn es zu musikalischen Unreinheiten kommt. Die GP ist die Generalprobe, die meistens einen Tag nach der OHP stattfindet und bei welcher die Darsteller ihre Originalkostüme tragen. Außerdem ist dies die letzte Probe vor der Premiere. Die Premiere ist die Erstaufführung, die mit PREM abgekürzt wird. Doch bevor es soweit ist, sind noch viele Schritte nötig. Einmal gibt es noch die BP (Bauprobe), die ca. 1 Jahr vor der Premiere stattfindet und bei der die Kulissen schon Mal grob auf die Bühne gestellt werden und dann grundlegend geschaut wird, ob diese zueinander passen. Dann gibt es auch noch die Beleuchtungsprobe (BEL), bei der die einzelnen Beleuchtungseinstellungen und Lichtstimmungen nur mit Statisten geprobt werden. Grundlegend dafür ist die BELE (Beleuchtungseinrichtung), bei der alles für die BEL vorbereitet wird. Zusätzlich zu einer BEL findet man meist auch noch eine BELKOR, was für eine Beleuchtungsprobe mit Korrektur steht. Des Weiteren findet man auch noch die BO (Bühnenorchesterprobe), bei der das Orchester mit den Sängern in Alltagskleidung und ohne die Beleuchtung probt. Zudem sind auch noch der TA und die TE von Bedeutung. TA bedeutet Technischer Aufbau und hierbei wird die Technik erstmal aufgebaut. Bei der Technischen Einrichtung werden konkretere technische Einstellungen festgelegt.

Vor jeder Vorstellung findet eine 30-minütige EF für die Oper statt. Doch Achtung! dies ist nicht die EF aus der Schule, sondern die Abkürzung für Einführung. Die Matinée (MAT) findet in der Regel eine Woche vor der Premiere am Sonntag um 11 Uhr statt. Dies ist eine öffentliche Veranstaltung, bei der die Dramaturgen beispielsweise die Darsteller oder Sänger interviewen.

Sollte eine Vorstellung mit der Bezeichnung ZLM versehen sein, dann bedeutet dies, dass diese Oper/dieses Musical zum letzten Mal gespielt wird. Im Unterschiede zu ZLM bedeutet ZLMSP, dass das Werk zum letzten Mal in dieser Spielzeit aufgeführt wird. WA ist die Abkürzung für Wiederaufnahme, was bedeutet, dass ein Werk wieder auf den Spielplan genommen wird. Die WAGP (Wiederaufnahmegeneralprobe) ist, wie der Name schon sagt, die Generalprobe für das Stück, welches wiederaufgenommen wird.

Auf vielen Spielplänen eines Musikers findet man die Begriffe KZT, SiKo und KaKo, die für ein Konzert, ein Sinfoniekonzert und ein Kammerkonzert stehen. Am Ende gibt es noch die Abkürzung GS (Gastspiel), die verwendet wird, wenn ein Stück außerhalb des eigenen Theaters aufgeführt wird.

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Autor

Lina absolviert ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.   

Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt…

… oder vielmehr: Hexe Kleinlaut und Fräulein Vorlaut kommen, und zwar mit dem Kinderprogramm „Zollverein – Die schönste Zeche der Welt“. Ausgerüstet mit Schutzbrille und Taschenlampe bahnen sie sich einen Weg zwischen den jungen Zuschauern hindurch, um die Bühne zu erreichen, die wie eine Mischung aus Oma Trudes Wohnzimmer und einem Lager für Bergbau-Ausstattung aussieht.

2018 wird mit der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop die letzte Zeche im Ruhgebiet geschlossen, auf Zeche Zollverein war schon 1986 Schicht im Schacht. Das hat die TUP zum Anlass genommen, die Festwoche KUNST⁵ unter das Motto „HeimArt“ zu stellen. Und auch Fräulein Vorlaut (im Aalto-Theater) und Hexe Kleinlaut (auf dem Welterbe Zollverein) haben sich mit dem Thema „Zeche und Kohle“ auseinandergesetzt.

Fräulein Vorlaut und Hexe Kleinlaut sprechen mit ihren Zuschauern – im Grundschul- und Kindergartenalter – über die Entstehung von Kohle, über die Werkzeuge der Bergleute und die Bergmannssprache, die oft als „hart aber herzlich“ bezeichnet wird. So gibt es den sogenannten „Weiberarsch“, eine Kohlenschüppe, die eine entsprechende Form aufweist…

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Der „Weiberarsch“ war auch bei Nachbesprechungen in der Schule ein Thema

Es wurde aber auch über viele weitere typische Begriffe aus dem Ruhrgebiet gesprochen: Wisst ihr, was „Kokolores“ ist? Oder was es bedeutet, wenn viel „Tinnef“ herumsteht, es draußen „dröppelt“ und die Kinder ständig „gibbeln“? (Auflösung siehe unten)

Dass es jetzt unter uns wie ein Schweizer Käse aussieht, haben wir den Bergleuten zu verdanken, die jahrzehntelang das Ruhrgebiet auf der Suche nach Kohle ausgehöhlt haben. Aber wie wurde die Kohle überhaupt entdeckt? Hier eine Kurzfassung des Märchens „Schweinehirt Jörgen entdeckt die Kohle“, das Hexe Kleinlaut und Fräulein Vorlaut zum Besten gegeben haben:

Es war einmal an einem Winterabend vor langer Zeit. Jörgen hatte den ganzen Tag über Schweine gehütet und wollte nun eine Kuhle graben, um darin Brennholz zu entzünden. Da sah er, dass eines der Schweine schon ein Loch gewühlt hatte, also entzündete er dort ein Feuer. Nach der Mahlzeit kroch er unter seine Decke und schlief ein.

Als Jörgen am Morgen erwachte, staunte er nicht wenig: die schwarzen Steine, auf denen er das Feuer entzündet hatte, glühten und funkelten in den schönsten Farben und gaben Wärme ab. Er konnte es kaum fassen und hielt diese seltsamen schwarzen Steine für verhexte Zaubersteine; daher verließ er mit seiner Schweineherde eilig diesen unheimlichen Ort.

Am nächsten Tag jedoch geschah das gleiche, wieder fand er morgens glühende Steine auf seiner Feuerstelle. Nun war Jörgen nicht mehr so ängstlich, nahm ein paar der Steine mit ins Dorf und berichtete den staunenden Leuten von seiner Entdeckung. Diese wollten nun ebenfalls solche Wundersteine besitzen, Jörgen zeigte ihnen die Stellen, und die Leute sammelten sie auf und nahmen sie mit nach Hause. Dort erfreuten sie sich an den wärmenden Zaubersteinen, mit denen sie vortrefflich heizen konnten.

 Und natürlich wurde für und mit den Kindern gesungen! Passend zum Thema gibt es eine – von Marie-Helen Joël und Heribert Feckler – komponierte „Zollverein-Hymne“. Zu den Liedzeilen „Wir sind Feuer und Flamme für immer – Kumpel wollen wir sein – Die schönste Zeche auf Erden – bleibt immer Zollverein!“ kann kräftig mitgeschunkelt werden und bei dem Lied „Es geht weiter“ wird ein Blick auf die Zukunft des Ruhrgebiets geworfen. Denn: „Den Blick nach vorn, den hab’n wir nie verlor’n“ 😉

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Lösung zum Wort-Quiz: Kokolores = Unsinn, Tinnef = unnützer Kleinkram, dröppeln = leichter Regen, gibbeln = kichern

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Autor

Jana studiert Musikpädagogik und hat in ihren Semesterferien ein vierwöchiges Praktikum in der Theaterpädagogik gemacht. Hier schreibt sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Wie wird man eigentlich Fräulein Vorlaut, Marie-Helen Joël?

Nicht nur den Stadtgarten hat sie von ihrem Büro in der sechsten Etage des Aalto-Theaters gut im Blick. Auch weiß sie immer, wie man die Menschen begeistern kann – egal welche Oper und welche Altersklasse es betrifft. Marie-Helen Joël, seit der Spielzeit 1993/1994 als Sängerin an der Essener Bühne engagiert, ist seit 2011 zugleich auch die Leiterin der Theaterpädagogik. Nach den erfolgreichen Jugendprogrammen wie „Rockin’ the stage“ und dem Familienmusical “Die Märchenwelt zur Kur bestellt“ inszeniert die gebürtige Aachenerin in der kommenden Spielzeit die Oper ”Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, in der sie auch selbst als Mutter zu sehen sein wird. Nicht nur in diese Rolle schlüpft die verwandlungsfähige Sängerin und Theaterpädagogin – auch Fräulein Vorlaut und Hexe Kleinlaut, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Welt der Opern in eigenen Formaten näher bringen, stecken in ihr drin. Wie kommt man zu einem so vielfältigen Job? Johanna Renner hat während ihres zweiwöchigen Schülerpraktikums bei Marie-Helen Joël nachgefragt. 

MH und Johanna

Marie-Helen und Johanna im Büro der Theaterpädagogik

Frau Joël, Sie singen, Sie schauspielern, Sie konzipieren, Sie organisieren, Sie lehren – wie kommt man zu einem so abwechslungsreichen Job im Theater?

Ich habe erst Schulmusik gemacht, weil ich immer schon gerne mit Menschen zusammen gearbeitet oder mich ausgetauscht habe. Bei dem Schulmusikstudium habe ich dann gemerkt, dass ich sehr gut singen kann. Ich habe mich dann entschlossen, noch ein Aufbaustudium für Gesang nach dem Abschluss des Schulmusikstudiums anzuhängen. Nach dem Studium habe ich dann zunächst zwei Jahre musikalische Früherziehung mit Kindern gemacht, dann aber eine Stelle an der Oper in Bonn bekommen. Dort hab ich dann wirklich erst nur als Sängerin gearbeitet. Ich hatte mich damals bewusst gegen den Schuldienst entschieden und wollte in diesen pädagogischen Bereich auch erst mal nicht mehr rein. Als ich dann ziemlich viel im Solobereich gemacht habe, auch hier in Essen später, habe ich aber gemerkt, dass ich irgendwie wieder den Weg zurück und mit Menschen gerne Sachen erarbeiten und ihnen Musik vermitteln möchte. Und so bin ich dann eben auf die Idee gekommen: In der Musikhochschule in Detmold gibt es einen Masterstudiengang für Musikvermittlung und Konzertpädagogik – und dann habe ich das studiert und den Master gemacht.

Und wie sind Sie dann nach Essen gekommen?

Es kam in der Zeit dann gerade genau aus, dass hier in Essen eine Stelle als Theaterpädagoge am Aalto-Theater frei wurde – die Chance habe ich dann genutzt. Jetzt bin eben in einer Doppelfunktion als Sängerin und Theaterpädagogin hier im Haus tätig. Und das ist eigentlich das Tolle: Ich musste mich nicht entscheiden, ob ich lieber singe oder lieber Theaterpädagogin bin – ich darf jetzt beides machen.

Was sind denn so die Aufgaben eines Theaterpädagogen?

Oh (muss lachen), die sind wirklich sehr vielfältig. Man kann sie sich ein bisschen selber definieren. Die Grundaufgabe eines Theaterpädagogen ist natürlich die Kunstform, in unserem Fall der Oper, zu vermitteln – egal ob Kindern, Erwachsenen oder Jugendlichen. Einfach den Zugang zu vermitteln: Welche Geschichte erzählt die Oper, was hat der Komponist sich dabei gedacht, in welcher Zeit ist sie entstanden – all solche Dinge. Hier in unserer Abteilung machen wir das in der Form, dass wir sehr viele Konzerte anbieten für unterschiedliche Altersklassen. Das haben wir unterschiedlich gestaffelt: für 3-6-Jährige, für 6-10-Jährige und für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren. Auch für Erwachsene haben wir einige Angebote:  Da gibt es manchmal die Konzertform und manchmal mehr so eine Art Gesprächsrunde. Wir haben da verschiedene Formate.

Und was macht am meisten Spaß davon?

Das ist eine gute Frage…kann ich eigentlich gar nicht sagen. Mir macht alles Spaß, vor allem in dem Moment wo ich in einem Projekt drin stecke. Vorher denke ich oft: „Oh, noch die ganze Arbeit“, aber wenn ich es dann mache, ist es eigentlich immer super. Das hab ich nur ganz selten, dass mir da etwas nicht gefällt.

Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut, die von ihrer Kollegin Christina Clark und Ihnen verkörpert werden, sind am Aalto-Theater ja längst feste Größen. Wie kam die Idee zu diesen beiden Figuren zustande?

Vor bestimmt 10 Jahren haben Christina Clark und ich zwei Hexen erfunden: die Hexe Kleinlaut und ihre Freundin Crizzy. Das war für 3-6-Jährige, wobei wir kleine Opernformate gemacht haben. Dann haben wir festgestellt, dass das bei den Kindern super ankommt und gedacht: Ok, wir brauchen noch Figuren für die älteren Kinder. Da wollten wir nicht bei den Hexen bleiben, sondern haben uns entschieden, zwei neue Figuren zu entwickeln – und ich denke mal, die Rollen von Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut sind uns auch „auf den Leib geschnitten“. Fräulein Vorlaut ist so eine besserwisserische Lehrerin, die immer Vorträge hält, und Miss Betterknower ist so eine elegante englische „Schnepfe“, die meint, sie wüsste alles besser. Ihre Qualitäten liegen aber mehr so im Bereich Mode und Anekdoten, während Fräulein Vorlaut den wissenschaftlichen Aspekt in alle Sachen reinbringt. Mit den beiden haben wir sehr viele Konzerte für Grundschüler erfunden und haben dann von Erwachsenen die Anfrage bekommen, ob wir nicht mit diesen Figuren auch etwas für die ältere Zielgruppe machen können. So ist die Idee entstanden „It’s Teatime“ anzubieten – ein sehr gut angenommenes Format, mit dem wir Freitagsnachmittags vor Premieren in die neue Operninszenierung einführen.

Ist es schwierig zwischen den Erwachsenen und den Kindern zu trennen?

Ich finde, wenn man mit einem Kind in die Veranstaltung „It’s Teatime“ kommt, dann sind da einfach viele Witze, die für die Erwachsenen relevanter sind. Wenn wir sehen, dass auch viele Kinder unter den Besuchern sind, versuchen wir schon auch darauf einzugehen. Aber man muss schon sagen, dass der Inhalt der Oper oder das Leben des Komponisten nicht so Sachen sind, die so spannend sind für die Kleinen – es sei denn, man bereitet sie speziell für die Kinder und ihren Erfahrungsschatz auf, wie wir es eben in den Formaten für Ihre Altersklassen tun. Übrigens: Wir versuchen immer, unsere Kinderstücke so aufzubereiten, dass alle Spaß daran haben – Kinder, Eltern und natürlich auch wir selbst.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das klappt ja auch sehr gut! 

Es macht auch immer sehr viel Spaß 🙂

Danke für das Interview – und grüßen Sie Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut!

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Miss Betterknower (Christina Clark) und Fräulein Vorlaut (Marie-Helen Joël)
 © Saad Hamza

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SERVICE:

Wer Miss Betterknower und Fräulein Vorlaut live erleben möchte, findet ihre Auftrittstermine und Termine für weitere interessante Einführungsveranstaltungen und Führungen

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Autor
Johanna hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik absolviert und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

Abgetaucht – Ich bin dann mal weg!

Die beiden Freundinnen Crizzy und Hexe Kleinlaut freuen sich schon auf ihren gemeinsamen Urlaub am Meer … Es gibt nur ein Problem: Hexe Kleinlaut leidet unter einer schrecklichen „Aquaphobie“. Die Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren helfen Crizzy dabei, Kleinlauts Angst vor dem Wasser zu überwinden.

„Wo der Spaß anfängt, da hört die Angst auf“

Bei uns wird der wasserscheuen Hexe mit Spiel, Spaß und Musik die Angst vor dem vielfältigen Element Wasser genommen! Oft ist uns gar nicht bewusst, wie oft wir Wasser in unserem Alltag begegnen. Gemeinsam entdecken die Kinder, wie unterschiedlich Wasser schmecken und aussehen kann. Wie Hexe Kleinlaut erfährt, kann Wasser nicht nur gefährlich sein, sondern ist lebenswichtig für alle Menschen, Tiere und Pflanzen auf unserem Planeten.

„Wasser kann auch klingen“

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Rauschende Wellen, prasselnder Regen oder ein tropfender Wasserhahn … Wasser klingt nicht immer gleich. Mit Wassertrommeln, die aus Kürbissen gebaut werden (Kalebasse) und mit Flaschenflöten kann sogar mit Wasser Musik gemacht werden. Mit einem Sound-Rätsel können sich die jungen Zuschauer aktiv am Geschehen beteiligen und ihre Lauscher auf die Probe stellen. Es wurden Klospülungen, plätschernde Seeufer, Wasserfälle und viele weitere Geräusche, die mit Wasser zu tun haben, vertauscht und erraten 🙂

Dann wollen Crizzy und Hexe Kleinlaut wissen, wie das Wasser eigentlich in den Himmel kommt … Mit einem Lied und einem Mitmach-Rap lernen die Kinder den Weg des Wassers von der Erde in den Himmel – und wieder zurück – kennen.

Dann ist es endlich so weit und Hexe Kleinlaut lernt Schwimmbewegungen!

Jetzt steht dem gemeinsamen Sommerurlaub von Crizzy und Hexe Kleinlaut nichts mehr im Weg und beide freuen sich darauf, sich im Meer, Badesee oder Freibad abzukühlen.

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Autoren:

Tabea macht ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet mit Lioba, die bereits im Oktober bei uns war und uns als Praktikantin nun wieder unterstützt, von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.

„Stars“ zu Gast im Hause Aalto

Wer als Kind im Publikum von Starlight Express gesessen hat, träumte mit Sicherheit selbst davon ein großartiger Rollschuhfahrer und begnadeter Sänger zu werden – so wie Andreas Wolfram, der unter anderem als „Elektra“ durch die Kurven raste und nun am Aalto-Theater gastiert. Auch Henrik Wager – ein weiterer Musical-Promi, bekannt aus Jesus Christ Superstar oder der Rocky Horror Show (zuletzt in Gelsenkirchen) – reist exklusiv aus Italien an. Neben Tim Hüning – einer der Hauptdarsteller von Ich war noch niemals in New York – ist auch Jana Stelley mit unter den Star-Gästen hier am Aalto-Musiktheater vertreten. Sie ist ebenfalls durch große Rollen verschiedener Musicals, wie zum Beispiel als „Glinda“ in Wicked, als „Frenchy“ in Grease oder als „Penny Pingleton“ Haispray, bekannt geworden.

Grund ihrer Anreise ist die Wiederaufnahme des Musicals „Die Märchenwelt zur Kur bestellt“. Als Musicaldarsteller schlüpfen Stelley („Froschprinzessin“), Hüning („tapferes Schneiderlein“), Wager („Kaiser ohne Kleider“) und Wolfram („Rumpelstilzchen“) in vier der Hauptrollen dieses Musicals, das nun die erste Wiederaufnahme – nach der erfolgreichen Premiere in der vergangenen Spielzeit – feiert. Die beiden anderen Hauptrollen der „Aschenputtel“ und des „Schneewittchens“ besetzen die Ensemblemitgliedern Christina Clark und Marie-Helen Joël. Letztere schrieb das Musical selbst, während ihr Mann die Musik dazu komponierte und arrangierte.

Was für ein Aufwand nötig ist bis es wirklich wieder auf der Bühne losgehen kann, glaubt mir nun sicher niemand! So muss das gesamte Stück in vielen Proben zunächst einmal wieder einstudiert werden. Es gibt musikalischen Proben, in denen unter Anleitung des musikalischen Leiters alle Lieder gesungen und die Sänger noch verbessert werden können. Dann gibt es szenische Proben, in denen das Stück wieder zusammengesetzt wird und sich jeder Darsteller genau merkt, wann er wie, wo oder was etwas tut. Zu guter Letzt geht es dann auf die Bühne, auf der auch noch einige Male geprobt wird, bis die Wiederaufnahme starten kann und das Publikum in den Zuschauerraum strömt. Wichtig dabei ist, dass alle Proben rechtzeitig angemeldet und Requisiten und Kostüme bestellt werden. Schließlich müssen alle Handgriffe genau sitzen, bevor die Vorstellung beginnt und das geht nur, wenn die Darsteller mit ihren Kostümen, den Requisiten und dem Bühnenbild vertraut sind.

Wenn ich jetzt sehe, was alles beachtet werden muss, um so ein Musical auf die Beine zu stellen, werde ich ganz blass vor Neid vor denen, die das beruflich machen! Es gibt hier wirklich viel zu erleben und es ist wahnsinnig spannend bei Proben und Vorstellungen zu sehen, was hinter den Kulissen alles abläuft und geschieht!

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Autor

Sarah studiert Grundschullehramt und macht in ihren Semesterferien ein vierwöchiges Praktikum in der Theaterpädagogik. Hier schreibt sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Zollverein – die schönste Zeche der Welt

„Glück auf“ hieß es am 20. Februar wieder einmal auf der Zeche Zollverein!

Hexe Kleinlaut sorgte mit ihrer Freundin Crizzy für gute Unterhaltung und mächtig viel Begeisterung bei Groß und Klein!

Zum Anlass der nun dreißigjährigen Schließung der schönsten Zeche der Welt wurde den Kindern zweier Gruppen mit je knapp 170 Personen ein musikalischer Einblick in die Welt unter Tage ermöglicht. Lernen konnten alle neugierigen Zuschauer etwas über Arbeitsabläufe auf einer Zeche, Gefahren tief unter der Erde oder die Entdeckung der Steinkohle bei uns im Pott. Auch spezifische Begriffe aus der Bergmannssprache konnte das junge Publikum in einem gemeinsamen Ratespiel kennenlernen – selbst den Großen unter uns waren vielleicht einige Begriffe unbekannt …

Durch verschiedene Songs zum Mitmachen, die größtenteils neu für dieses Programm komponiert worden sind, wurde es nie langweilig und am Ende durften – wie immer – alle Kinder ein Foto mit der beliebten Hexe und ihrer verrückten Freundin machen.

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Autor

Sarah studiert Grundschullehramt und macht in ihren Semesterferien ein vierwöchiges Praktikum in der Theaterpädagogik. Hier schreibt sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Stöbern im Aalto

Wer von euch hat es als Kind nicht geliebt, sich zu verkleiden und in die Rolle eines anderen zu schlüpfen? Zum Beispiel in die einer prunkvollen Prinzessin, eines tapferen Polizisten oder einer bösen Hexe. Für diese Zwecke durfte eine vollgepackte Verkleidungskiste natürlich nicht fehlen 🙂 Doch die Verkleidungskiste des Aalto-Theaters übertrifft mit Sicherheit alle eure Vorstellungen!

Im Aalto-Theater werden die Kostüme nämlich nicht einfach in ein paar Kisten, sondern im sogenannten Fundus gelagert (wovon es sogar mehrere gibt). Und um sich da auch gut orientieren zu können, sind die Kostüme nach bestimmten Kategorien geordnet: zum Beispiel nach Epochen oder Themen. Zusätzlich gibt es einzelne Kleiderstangen- und Schrankabteilungen für Nachtmode, Unterwäsche oder Oberhemden. Außerdem gibt es eine riesige Auswahl an Brillen, Hüten, Regenschirmen und Taschen.

 

Schuhe sind zudem in einem zusätzlichen Fundus gelagert. Ein wahres Schuhparadies! Ein Schuhliebhaber würde in diese „heiligen Hallen“ wahrscheinlich am liebsten einziehen 🙂

Auch die Schuhe werden nicht wild gesammelt, sondern sind ordentlich sortiert (nach Art, Farbe und Größe), sodass die entsprechenden Schuhe immer schnellstmöglich gefunden werden können.

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Autoren

Felicitas und Sophie machen ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und der Kostümabteilung und schreiben über ihre Erlebnisse am Aalto-Theater.