Sitze ich jetzt gerade in einer BO, OHP oder doch in einer GP?

Schon während der ersten Tage meines Praktikums habe ich gelernt, dass im Theater nichts ohne Abkürzungen läuft. Alle werfen mit Begriffen wie OHP, GP, oder BP um sich und man steht dazwischen und fragt sich nur, wovon diese Leute gerade um Himmels Willen reden.

Zum Glück wurden mir dann eine ganze Reihe solcher Abkürzungen erklärt. KHP ist die Abkürzung für Klavierhauptprobe. Da wird das erste Mal das gesamte Stück im Ablauf mit Kostüm, Maske und Licht auf der Bühne geprobt – ohne Orchester aber mit Klavier. Unter OHP versteht man Orchesterhauptprobe, die auf der Bühne mit allen Darstellern, Kostümen, der Maske und natürlich dem Orchester auch noch Unterbrechungen beinhaltet, wenn es zu musikalischen Unreinheiten kommt. Die GP ist die Generalprobe, die meistens einen Tag nach der OHP stattfindet und bei welcher die Darsteller ihre Originalkostüme tragen. Außerdem ist dies die letzte Probe vor der Premiere. Die Premiere ist die Erstaufführung, die mit PREM abgekürzt wird. Doch bevor es soweit ist, sind noch viele Schritte nötig. Einmal gibt es noch die BP (Bauprobe), die ca. 1 Jahr vor der Premiere stattfindet und bei der die Kulissen schon Mal grob auf die Bühne gestellt werden und dann grundlegend geschaut wird, ob diese zueinander passen. Dann gibt es auch noch die Beleuchtungsprobe (BEL), bei der die einzelnen Beleuchtungseinstellungen und Lichtstimmungen nur mit Statisten geprobt werden. Grundlegend dafür ist die BELE (Beleuchtungseinrichtung), bei der alles für die BEL vorbereitet wird. Zusätzlich zu einer BEL findet man meist auch noch eine BELKOR, was für eine Beleuchtungsprobe mit Korrektur steht. Des Weiteren findet man auch noch die BO (Bühnenorchesterprobe), bei der das Orchester mit den Sängern in Alltagskleidung und ohne die Beleuchtung probt. Zudem sind auch noch der TA und die TE von Bedeutung. TA bedeutet Technischer Aufbau und hierbei wird die Technik erstmal aufgebaut. Bei der Technischen Einrichtung werden konkretere technische Einstellungen festgelegt.

Vor jeder Vorstellung findet eine 30-minütige EF für die Oper statt. Doch Achtung! dies ist nicht die EF aus der Schule, sondern die Abkürzung für Einführung. Die Matinée (MAT) findet in der Regel eine Woche vor der Premiere am Sonntag um 11 Uhr statt. Dies ist eine öffentliche Veranstaltung, bei der die Dramaturgen beispielsweise die Darsteller oder Sänger interviewen.

Sollte eine Vorstellung mit der Bezeichnung ZLM versehen sein, dann bedeutet dies, dass diese Oper/dieses Musical zum letzten Mal gespielt wird. Im Unterschiede zu ZLM bedeutet ZLMSP, dass das Werk zum letzten Mal in dieser Spielzeit aufgeführt wird. WA ist die Abkürzung für Wiederaufnahme, was bedeutet, dass ein Werk wieder auf den Spielplan genommen wird. Die WAGP (Wiederaufnahmegeneralprobe) ist, wie der Name schon sagt, die Generalprobe für das Stück, welches wiederaufgenommen wird.

Auf vielen Spielplänen eines Musikers findet man die Begriffe KZT, SiKo und KaKo, die für ein Konzert, ein Sinfoniekonzert und ein Kammerkonzert stehen. Am Ende gibt es noch die Abkürzung GS (Gastspiel), die verwendet wird, wenn ein Stück außerhalb des eigenen Theaters aufgeführt wird.

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Autor

Lina absolviert ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Theaterpädagogik und berichtet von ihren Erlebnissen am Aalto-Theater.   

Eine (triefend-sentimentale, Anm. der Red.) Liebeserklärung ans Theater!

Dass das Theater ein fabelhaft-aufregender Ort ist, ist tagtäglich bewusst. Wo sonst findet sich so viel Kreativität, Organisationstalent und Handwerkskunst auf so engem Raum? Von morgens bis spätabends sind zahlreiche Leute im Haus: Sänger, Tänzer, Techniker, Maskenbildner, Requisiteure und so weiter und so fort. In Büros, in kleinen Proberäumen oder im angrenzenden Stadtgarten kann man in Ruhe arbeiten oder mal abschalten. Wer mag, kann aber auch den lieben langen Tag mit Kollegen im Austausch stehen.

Und dann werden mir mitten in der Spielzeit zwei Weisheitszähne gezogen und ich bin gezwungen zu Hause auf dem Sofa zu sitzen. Und wo könnte man mehr Zeit zum Nachdenken finden, wenn nicht mit Schmerztabletten auf dem Sofa? Viele würden jetzt sagen: „Sei doch froh, mal ein paar Tage nicht zur Arbeit zu müssen.“ Aber ich gehe ja nicht einfach zur Arbeit. Ich gehe ins Theater. Das Theater kein Ort, an dem ich meinem „9 to 5“-Job nachgehe, sondern der Ort, auf den ich mich schon beim Aufwachen freuen kann. Es ist einfach ein großer Vorteil, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Nicht einfach einen Job zu machen, um Geld zu verdienen, sondern (wow, es trieft hier förmlich von Idealismus , Anm. d. Red.) um das mit Begeisterung zu tun, was einem wirklich gefällt.

Die Aufgaben an sich sind nicht das Einzige, das dem Theaterleben die besondere Atmosphäre verleiht. Es sind die kleinen Dinge, die nebenher geschehen: Singende Kollegen im Aufzug, das Üben der Musiker, das man im Vorbeigehen hört oder die Mithöranlage im Büro, die einen das Geschehen auf der Bühne mit den Ohren beobachten lässt.

Tja, wenn man dann mal ein paar Tage krank zu Hause verbringt, merkt man noch mehr, was das Theater für einen bedeutet, weil es einfach viel mehr ist, als bloß ein Arbeitsplatz. (Was für ein Süßholzgeraspel!, Anm. d. Red.)

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…Gut, dass ich heute wieder hier sein kann. Zu Hause rumsitzen scheint einen schon fast gruselig-sentimental werden zu lassen …  Endlich kann ich wieder über die langen Wartezeiten am Aufzug schimpfen, mir Bastelprojekte überlegen, mich mit den Kollegen austauschen, der Musik über die Mithöranlage folgen und den Menschengruppen im Park beim Grillen zusehen.

Der Geruch des Theaters

(Wow! Da hat es aber jemandem Spaß bei uns gemacht 🙂 )

Sie alle verbindet eins: Die Liebe und Leidenschaft zum Theater, zur Oper, zur Musik, zum Tanz, zu den Künsten! Ganz verschiedene Menschen – mit besonderen Fähigkeiten und Interessen – kommen täglich im Aalto-Theater zusammen und werden eine Familie. Hier ist das „Du“ Normalität und es gibt keine Grenzen zwischen den einzelnen Abteilungen; nein, vielmehr Verbindungen und offene Türen. Es wird sich gegenseitig in den verschiedenen Büros besucht und auf den Fluren miteinander kommuniziert, um immer nah am Geschehen zu sein. So werden alle Mitarbeiter verschiedenster Abteilungen – künstlerischer oder nicht künstlerischer Natur – zu einer einzigen Arbeitsgruppe, die das Ziel perfekter Inszenierungen verbindet und stärkt.

Sobald man das Theater betritt, wird man in dessen Duft eingehüllt und ist wie in einer anderen Welt. Einer Welt, in der nicht der ständige Zwang von Realismus herrscht, sondern in der alles, was man sich vorstellen kann ermöglicht und zum Leben gebracht werden kann. Mit dem einzigen Ziel Menschen zu berühren und zu begeistern.

Man hat fast schon das Gefühl einige würden nicht nur in dieser Welt arbeiten, sondern vielmehr für diese Welt leben. Ja, hier lebt eine große Familie und einen starren Arbeitsalltag hat sie nicht. Jeder Tag ist anders, abwechslungsreich und spannend. Selbst als Praktikantin wird man sofort in diese Familie integriert und kann sich keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen. Doch auch flexibel muss man sein, denn die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und so müssen die Mitarbeiter auch abends und am Wochenende Vorstellungen über die Bühne bringen und proben, proben, proben. Das nehmen aber alle gerne in Kauf, da ihr Beruf gleichzeitig ihre Leidenschaft und ihr Hobby ist, in das sie all ihr Herzblut stecken.

Und wer einmal in diesen Duft des Theaters gehüllt worden ist, möchte ihn nicht mehr um sich herum missen, trägt ihn durch sein Leben und begeistert andere davon.

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Autor:

Jule hat ein zweiwöchiges Schülerpraktikum am Aalto-Theater gemacht und beim Ballett, bei der Dramaturgie und bei der Theaterpädagogik reingeschnuppert.